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Drittes Capitel. Theater

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

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8 Drittes Capitel. 
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huldreichst von ihm mit einem Theeservice zum Andenken an 
die verewigte Königin beschenkt worden sei. Die Expedition 
der Vossischen Zeitung, in ihrem 135. Stück, erklärte auch, 
sie habe für ihre Recensenten niemals etwas von der Direction 
des Königlichen Nationaltheaters empfangen. Das Dementi 
fand aber keinen Glauben. Kleist war nicht gewillt, die Sache 
ohne Resultat einschlafen zu lassen, und deshalb nahm er von 
neuem den Angriff auf, und zwar an der Stelle, wo nach 
seiner und seiner Freunde vollkommenster Ueberzeugung die 
eigentliche Verderbniß saß. Er ging gegen die Recensenten 
Catel und Rellstab persönlich vor, um sie, die bisher geschwiegen 
hatten, zu einer Erklärung zu zwingen. 
Im 40. Abendblatt, vom 15. November 1810, erließ 
Heinrich von Kleist eine „Aufforderung“ an die Recensenten 
der Vossischen Zeitung. Er nimmt die Maske vor, als glaube 
er nicht an die Beschuldigung, die er doch für wahr hielt. 
Die Erklärung der Erpedition der Vossischen Zeitung, sagt 
er, sei von dem Publicum mit großem Vergnügen gelesen 
worden. Um ein Gerücht so häßlicher Art aber gänzlich 
niederzuschlagen, bleibe nichts übrig, als daß die Herren 
Recensenten, von welchen diese Kritiken herrührten, eine ähn⸗ 
liche Erklärung von sich gäben: „Da sich die Sache ohne 
Zweifel so, wie Jedermann zur Ehre der Nation wünscht, 
verhält, und das Theater, mancher Schwächen ungeachtet, 
Seiten genug, die zu ehren und zu schätzen sind, darbietet: 
so sieht das Publieum, zur gänzlichen Vernichtung dieser 
skandalösen Anekdote, mit welcher ganz Europa unterhalten 
worden ist, mit Ungeduld einer Erklärung dieser Art, von 
Seiten der Hrn. Recensenten selbst, entgegen.“ Gezeichnet ist 
die Aufforderung er, ihr Stil verbürgt Kleist's Verfasserschaft. 
Die Absicht war die, entweder die Recensenten, wenn sie fort— 
gesetzt schwiegen, öffentlich als überführt erscheinen zu lassen,
	        
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