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Erstes Capitel. Preussische Patrioten

Volltext : Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

Wic schon °rwähnt war es unter den preufsischen Herrschern
 besonders Friedrich de Grofse, welcher der Tonkunst
warme Sympathien entgegengebracht hat. Konnte sich das
musikalische Leben sn seinem Hofe auch nicht entfernt mit
dem der Höfe von Dresden und Mannheim messen, so standen
doch einige Künstle‘” in seinen Diensten, die sich um die Entwicklung
 der Kammermnsik in Berlin verdient gemacht haben.
Neben Philipp Emanue! Zac u" es besonders zwei Geiger,
die hierbei in Betraclı * 1 Franz Benda (1709—1786)
und Joh. Peter Salomo: A
Des Ersteren Ruhm best .. darin, dafs er einer der gröfsten
Geigenmeister seiner Zeit war, der besonders als Adagiospieler!)
Herrliches geleistet haben mufs, dafs er die ältere Kammermusik
 in hervorragender Weise gepflegt hat und dafs aus seiner
Schule eine Anzahl von Geigern hervorgegangen ist, deren Einfüsse
 noch tief in unser Jahrhundert hinein zu spüren waren.
Die Bedeutun” Salomons beruht neben seinen geigerischen
Qualitäten homts” lich darin, dafs er es war der die Kammermusik
 der Wiener Meister, besonders Haydns, in Berlin eingeführt
 hat. Auch war er einer der wenigen, die zu jener
Zeit den Kompositionen J. S. Bachs für Violine allein noch so
viel Geschmack abgewinnen konnten, um sie in der Öffentlichkeit
 vw bsamen,

Salomon sagte: „Wenn Benda, so alt er ist, ein Adagio
spielt, so glaubt man, die ewige Weisheit rede vom Himmel herab.“
(Wasielewski, „Die Violine und ihre Meister“,)
                        
Von den zahlreichen Schülern Bendas interessiert uns Karl Haak insofern als er der Lehrer Mösers und Maurers war. Möser trat in Hamburg zu Viotti und Rode in nähere Beziehungen und ist der Lehrer Karl Friedrich Müllers geworden, der später als Führer des Quartetts der älteren Gebrüder M.ller zu so hohem Ansehen gelangte. Maurer, der Freund Rodes und Baillots, ist der Komponist des Konzertante für vier Violinen, dem wir im Laufe unserer Darstellung schon einigemal begegnet sind. War durch das Vorgehen Salomons auch der erste Schritt zur Einführung der neueren Kammermusik in Berlin gethan, so kam man doch über Haydn, Mozart und den Beethoven der ersten Periode nur schwer hinaus. Zelter „bewunderte Beethoven mit Schrecken“, und das Publikum war nach den schweren Kriegen um die Wende des Jahrhunderts in musikalischer Hinsicht so träge geworden, dafs es mit der zeitgenössischen Produktion vollständig die Fühlung verloren hatte, In einigen Familien, so besonders im Hause Mendelssohn, pflegte man zwar die Kammermusik in intimer Weise; in der Öffentlichkeit aber war nichts von dem frischen Hauche zu spüren, der das Musikleben anderer deutscher Städte belebte. Erst um die Mitte des Jahrhunderts lälst sich eine Wendung zum Besseren konstatieren: die königlichen Kammermusiker Zimmermann, Ronneburger, Richter und Espenhahn veranstalteten öffentliche Quartettabende, und Löschhorn mit den Gebrüdern Stahlknecht Triosoireen. 1854 vereinigte sich der von Leipzig nach Berlin übergesiedelte Robert Radecke mit dem Violinisten Grünwald zu regelmäfsigen Kammermusiken, und ziemlich um dieselbe Zeit wurde auch das Trio „Bülow, Laub und Wohlers“ gegründet. Im Jahre 1856 endlich trat das „Laubsche Quartett“ ins Leben. das insbesondere durch die hervorragenden Leistungen seine: genialen. Primarius grofsen Anklang fand. Die Genossen dessellen warc. Kubar. Radecke. Richard Wüerst und ein vorzüglicher Dilettant, Dr. Bruns. Moser, Joseph Joachim. 1”
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