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Drittes Capitel. Theater

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

8BDas echte Hoftheater. M 
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spieler aber (als Director) dürfte entweder jedes Machwerk 
aufführen, sobald er nur eine Rolle darin fände, in der er 
sich schon zum voraus beklatscht sähe, oder doch wenigstens so 
ausschließend für den hergebrachten Theatereffect sorgen, daß 
darüber manch wahrhaftiges Meisterwerk zu Grunde ginge; 
abgerechnet die Vorliebe und den Haß zu einzelnen Subjecten 
der Buhne; abgerechnet, daß, wenn der Schauspieler seine 
Rollen fleißig und redlich lernen und studiren will, ihm durch⸗ 
aus keine Zeit übrig bleibt, die anderweitigen Theatergeschäfte 
treu und prompt zu besorgen; abgerechnet, daß er mitten 
innen in dem Werk stehet und daher durchaus keine Ueber⸗ 
ficht des Ganzen haben kann.“ Man empfindet, wie diese 
Sätze, in Berlin abgedruckt, Wort für Wort die Beziehung 
auf Iffland geradezu herausforderten und herausfordern sollten. 
Das „treu“ und „prompt“ hat Kleist selber unterstrichen, wie 
wenn er andeuten wollte, er habe das Gegentheil davon er⸗ 
sahren müssen. Und überhaupt die Forderung eines „Hof⸗ 
theaters“ war den Freunden der Abendblätter wie aus der 
Seele gesprochen. Es scheint mir nicht unmöglich, daß Kleist 
in das Dresdener Schreiben die Beziehungen auf die Berliner 
Zustände hineinredigirt, oder doch verschärft habe. 
U. Ueber die Darstellbarkeit auf der Bühne. 
Ein neuer, allgemein gehaltener Angriff auf Iffland's 
Theaterleitung trat schon wieder im 18. Abendblatt, vom 
20. October 1810, hervor. Der Artikel handelt „über die 
Darstellbarkeit auf der Bühne“. Unterzeichnet ist er W...t, 
unter welcher Chiffre der Name Wolfart's auftaucht. Wol—⸗ 
sart, obwohl Arzt von Beruf, war zur Erörterung solcher 
Fragen wohl geeignet. Er stammte aus Hanau und hatte noch 
zu Heidelberger Romantikern, namentlich zur Günderode,
	        
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