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Drittes Capitel. Theater

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

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SVDrittes Capitel. 
10. Aus einem Schreiben von Dresden. 
Auch in Dresden, in den nationalen Kreisen auf die der 
Phöbus sich gestützt hatte, fand Kleist's Theaterkritik ein 
Echo. Ein Gr. v. S. (Graf von Schönburg?) richtete aus 
dem Anlasse an Kleist ein Schreiben, aus welchem dieser 
den größten Theil im 33. Abendblatte, vom 7. November 
1810, veröffentlichte. Der Einsender war ein Mann altari— 
stokratischer Gesinnung, ein Monarchist und ausgesprochener 
Gegner von „National-⸗Regierungen, ⸗-Versammlungen u. dgl. 
unter welchem lockenden Titel man große Tyranneien habe aus⸗ 
üben sehen“. Ihm habe Kleist's Unmaßgebliche Bemerkung aus 
mancherlei Gründen gefallen. Ob mehrere Theater in Einer Stadt, 
wie in Paris, London, Wien, der Kunst und den Einwohnern 
ersprießlich sei, lasse er ununtersucht. Er sei ein alter Mann 
und lobe sich alten Brauch und Weise: „Mit einem Worte: 
mir ist ein Hoftheater die liebste Bühne, gerade wie eine mo⸗ 
narchische Regierung mir der liebste Staat ist; und ist ein 
Hoftheater nur ein ächtes Hoftheater, so wird es schon ganz 
von selbst auch ein Nationaltheater sein.“ Er entwickelt den 
segenbringenden Einfluß der besten, vornehmsten Gesellschaft 
auf die Vervollkommnung der Bühne und des ihr gegenüber⸗ 
sitzenden Volkes, der aus der Verbindung des Hofes mit der 
Bühne erwachse. Das schöne, ehrenwerthe hohe Hofamt eines 
madtre de spectacle einer alten, edlen Zeit wünscht er wieder⸗ 
hergestellt zu sehen. Er sei der Repräsentant und das Organ 
jenes Antheils, den der Fürst und seine Großen, den zart⸗ 
sinnige und vornehme Frauen an den lebendig gewordenen 
Werken dramatischer Kunst nähmen. Nur er, der Vornehm⸗ 
Partheilose, der nicht in, der über dem Ganzen stehe, könne 
das Ganze unbefangen übersehen und regieren: „Ein Schau—
	        
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