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Zweites Capitel. Politik

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

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2weites Capitel. 
keiten die Commission, am 23. Februar 1811, endlich eröffnet 
werden konnte. Kraft dieser Ordre wurden, in Verfügungen 
der Staatskanzlei vom 8. bis 11. März 1811, alle politischen 
und gemischten Artikel, sogar die Vossische und Spenersche 
Zeitung, der „höheren Censur“ Gruner's unterstellt, so daß 
Himly, tief gekränkt, seinen Abschied einreichte. Kleist muß 
daher im März 1811 wieder Gruner zum Censor gehabt 
haben. Ich glaube, daß Gruner in diesen Dingen mehr der 
Schiebende, als der Geschobene war, Himly hegte einen grenzen⸗ 
losen Groll gegen ihn. Aber auch den bisherigen Freunden, 
vor allen Kleist, brachte Gruner's Eintritt in die Staats⸗ 
kanzlei nicht den Vortheil, auf welchen von ihnen vielleicht ge⸗ 
rechnet worden war. Es scheint fast, daß man ihm Dinge 
zuschrieb, die man ihm nicht oder anders zugetraut hätte. 
Nur so erklärt sich, was Arnim 1814 über ihn zu seinem 
Freunde Görres äußerte. Gruner, damals Generalgouverneur 
des Mittelrheins, hatte sich schnell Görres' Neigung und Ver— 
trauen erworben, der zum schweren Mißbehagen der Regierung 
in Berlin seinen Rheinischen Merkur herausgab, bis auch er 
von Hardenberg unterdrückt wurde. Arnim, ohne Gruner 
das Menschlich-Liebenswürdige seines Wesens abzusprechen, 
warnte doch Görres vor zu rückhaltlosem Zutrauen zu den 
eigentlichen, Carriere machenden Beamten, denen am Ende doch 
der Herr Minister über Gott und den Kaiser gehe, und fügte 
illustrirend hinzu: „Nach Hardenberg's Wunsche brachte Gruner 
den verstorbenen Heinrich Kleist auf sehr curiose Art um sein 
Abendblatt, das er mit recht viel Nutzen in Berlin heraus— 
gab.“ Es wirkten dabei gewiß die Erfahrungen ein, die 
Arnim selbst als Mitarbeiter der Abendblätter mit Gruner's 
Censur gemacht hatte, und wir werden diese Stimmung als 
die seiner Zeit im Kleistischen Kreise herrschende betrachten 
dürfen.
	        
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