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Varnhagen und das junge Deutschland

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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fertigt finden, wenn Sie die moralische Nichtswürdigkeit Gutz— 
kows auch im Privatleben in solchem Umfang kennen gelernt 
hätten, wie ich. 
Hochachtungsvoll Ihr ergebenster 
Stuttgart, 25. September 1835. Menzel. 
Mundt hat diesen Brief 1840 im, Freihafen“ veröffentlicht. Er 
bemerkt dazu, daß er gerne bereit gewesen wäre, durch ein un⸗ 
parteiisches Urteil das literarische Gezänk aus der Welt zu 
schaffen, doch riet er Menzel, von der Art seiner Polemik ab— 
zustehen. Darauf erhielt er von diesem eine Antwort, die geheim— 
nisvoll von etwas „in wenig Wochen“ Bevorstehendem sprach, 
ein Beweis, daß Menzel wenigstens frühzeitig Kunde von den 
Schritten der Regierungen hatte. Auch Mundt war überzeugt, 
daß hauptsächlich persönliche Verstinmung Menzels Polemik zu 
Grunde lag. 
„Wer weiß,“ fragt jener Aufsatz im „Freihafen“!9) „welch 
ein dämonischer Zwiespalt da diese beiden kritischen Goldmacher 
mitten unter den Geheimnissen ihrer Werkstätte beschlichen 
haben mag! Soviel ist gewiß, daß es eine Pulver-Explosion 
war, an der sich beide die Nase verbrannten und durch die 
wir andern Umstehenden wenigstens geschwärzt oder doch mit 
angeschwärzt wurden.“ 
Laube verhielt sich in dieser ganzen Streitsache am vor— 
sichtigsten, um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen; er 
war ja wohl, der einzige von den eigentlichen Jungdeutschen, 
der im Dezember, als alle durch Gutzkow und Wienbarg in 
die Oeffentlichkeit gebrachten Mitarbeiter der „Deutschen Revue“ 
in Entschuldigungen oder auch feigen Winkelzügen wetteiferten, 
ebenfalls eine Erklärung in der Allgemeinen Zeitung erließ, 
und noch zwei weitere Erklärungen niederschrieb?o), daß er mit 
dem sog. jungen Deutschland nichts zu schaffen habe. Nur 
zwei Stellen aus seinen Briefen an Varnhagen sind hier be— 
merkenswert, sie zeigen, daß er auch in der That eine Art 
Sonderstellung einnahm, insofern nämlich, als ihm die „Deutsche
	        
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