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Varnhagen und das junge Deutschland

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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in Wahrheit, weil er aus Sachsen ausgewiesen worden), nieder⸗ 
gelegt hatte und die dann A. v. Binzer wohl nicht zur Zu— 
friedenheit des Verlegers Leop. Voß führte. Kühne hatte 1835 
seine Novelle „Eine Quarantäne im Irrenhause, aus den Pa— 
pieren eines Mondsteiners“ veröffentlicht, Mundt im selben 
Jahre seine „Madonna, Gespräche mit einer Heiligen“. Das 
Grundthema war in allen dreien (Gutzkows „Wally“ mit ein⸗ 
begriffen) das gleiche: der Versuch, der Sinnlichkeit in der 
Kunst wieder zu ihrem Rechte zu verhelfen. Mit welch unge— 
nügenden künstlerischen Mitteln sie an dies Unternehmen heran⸗ 
gingen, darüber war sich keiner klar, soweit es ihn selbst betraf; 
über die Kollegen hatte er wohl ein vorwiegend absprechendes 
Urteil, zog es aber mit Laube meist vor, es „in verschwie— 
genen Briefen“ laut werden zu lassen, um sich nicht ihre 
Teilnahme zu verscherzen. Laube ging im August 1835 mit 
dem Gedanken um, einen „Almanach der Schönheit“ heraus— 
zugeben, der außer literarischen Beiträgen der jungen Schrift— 
steller eine Reihe Porträts hervorragender weiblicher Schön— 
heiten enthalten sollte; selbst Varnhagen wurde zur Herbei— 
schaffung dieser Bilder angegangen. 
Nur Gutzkow war für solche heimlichen Urteile, die den 
in der Oeffentlichkeit gefällten widersprachen, nicht zu haben. 
Die gemeinsame Klage aller Kollegen noch bis in die vierziger 
Jahre hinein ist stets die Rücksichtslosigkeit, mit der er in seinen 
literarischen Kritiken selbst den besten Freund vor den Kopf 
stieß. Schon am 11. Juli 1835 hatte Laube Varnhagen ge— 
klagt: „Phönix über mich und Hotho über Hegel kann ich lei— 
der hier nicht bekommen; Gutzkow hat leider im allgemeinen 
zu viel Süffisantes, in Schlesien sagen sie „Ankräpsches“, was 
allen wohlthuenden Eindruck stört.“ 
„Phönix über mich“ bezieht sich auf eine Kritik Gutzkows 
über Laubes Novelle „Liebesbriefe“ in Nr. 25 des Phönix— 
Literaturblattes vom 27. Juni. 
Uebereinstimmend mit Laube urteilte Mundt am 12. Sep—
	        
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