Drittes Rapitel.
Im Staatsdienste.
1780 1806.
Kunth war 32 Jahre alt, als er die von ihm mit der Er—
ziehung Wilhelms und Alexanders von Humboldt übernommene Auf—
gabe für beendet ansehen konnte. Sein Fachstudium hatte er früh
unterbrechen müssen, und die mannigfachen praktischen Geschäfte, die
er im Humboldt'schen Hause neben der erzieherischen Thätigkeit
übernehmen mußte, hatten ihm nicht die Muße gelassen, dasselbe in
geordneter und ausreichender Weise zu betreiben. Dagegen hatte er
die beste Gelegenheit gehabt, seine Bildung nach verschiedenen Rich—
tungen hin zu erweitern und zugleich zu vertiefen, und er hatte
diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, sondern sie die zwölf
Jahre hindurch eifrig benutzt. Sein Bestreben, die tüchtigsten Lehrer
und den bildendsten Umgang für seine Zöglinge zu finden, hatte
ihn mit Theologen wie Löffler und der ältere Spalding, mit Philo—
sophen wie Engel, Moses Mendelssohn, David Friedländer und
Markus Herz, mit Juristen wie Suarez und Klein, mit dem Diplo—
maten Dohm, mit ausgezeichneten Mathematikern, Physikern, Philo—
logen, Geschichts- und Litteraturforschern in zum Theil nahe und
langdauernde Beziehung gebracht; an der Lektüre und den Studien
seiner Schüler, wie sie von diesen Lehrern angeregt oder geleitet
wurden, hatte er ununterbrochen Theil genommen, oft auch an dem
Unterricht, der auf seine Veranlassung den Jünglingen ertheilt wurde.
Ohne auf einem Gebiete Specialstudien zu machen, hatte er zugleich