Path:
Gutzkow und Willibald Alexis

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

508 — 
leichten, heiteren, spielenden, gefälligen Lichter für ein ernstes 
Gemälde schöpfen, ohne die kein Publikum mehr gewonnen 
wird? 
Herzlich gern, wenn ich mal etwas Spannendes finde, aber 
ich bin seit einem Jahre überall im Rest, und angeregt 
eigentlich nur, um Lustspiele zu schreiben, scools for scandal. 
Da ist überall Stoff und herzliche Empfänglichkeit dafür! 
Hier also mein Cabanis im neuen Kleide, so zusammenge— 
drängt, hoffentlich wie Sie wünschten. Ihrer Anzeige, geschrieben 
unter dem Schutz der Menzelschen Flügel entsinne ich mich nur 
noch undeutlich. Wo ist Menzel! Wenn Sie Lust spüren und 
wo Sie Platz finden, posaunen Sie etwas in die dicke Luft 
der Apathie. Dringt's überhaupt nicht durch, ich bin auch 
darauf gefaßt. Wäre noch das letzte Asyl der freien Geister 
das Kohlbauen; dazu eignete ich mich wohl noch, aber mit dem 
Kohl ist's auch aus, und man soll für die Runkelrübe denken 
und kalkuliren, und dazu fehlt mir der Verstand und Sinn. 
Freundlich ergebenst 
Ihr 
W. Haering. 
Ihre Schillerstiftung interessiert mich sehr: was ich kann, 
werde ich in meinen Kreisen dafür wirken. 
Zwischen diesem und dem nächsten Brief des märkischen 
Dichters fällt der erste Angriff der schweren Krankheit, die 
nach wiederholtem Schlaganfall mit einer völligen Lähmung 
endete und dem Schaffen seines Geistes ein Ziel setzte. Alexis 
mußte 1856 von Berlin nach Arnstadt übersiedeln, wo er sich 
schon vorher ein sommerliches Tuskulum erbaut hatte. Der 
folgende Brief stammt aus der ersten Epoche seiner Krankheit 
und trägt auch ihre Spuren. Er enthält eine Reihe befrem⸗ 
dender stilistischer und logischer Fehler, die, wie mir der Alexis— 
biograph Dr. Max Ewert in liebenswürdiger Weise mitteilte, 
für des Dichters Briefe aus jener Zeit charakteristisch sind und 
den Zerfall seines Geistes anzeigen. Auch im Gespräch konnte 
er für das, was er richtig dachte, das richtige Wort nicht mehr 
finden, für seine Angehörigen oft eine entsetzlich peinliche Lage.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.