Path:
Zur Aufführung des "Uriel Acosta". Dramaturgische Skizze

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

442 
Helden. In der zwölf Jahre vor dem Drama geschriebenen 
Novelle „Der Sadducäer von Amsterdam“, die denselben Stoff 
allerdings in anderer Entwickelung behandelt, für das Milieu 
aber immerhin maßgebend ist, schildert Gutzkow seinen Helden 
folgendermaßen: „Es war eine hohe, herrliche Gestalt, vom 
kräftigsten und ebenmäßigsten Gliederbau, das Antlitz dunkel 
und mit vollem Barte bedeckt, die Miene ernst, verschlossen, 
nur selten von einem Zucken um die Mundwinkel überrascht, 
aber das Auge matt, in sich zurückgezogen. Das phantastische, 
ritterliche Gewand vermehrte die edle Haltung und den An—⸗ 
stand, der seinem Benehmen angeboren schien“. Diese An— 
forderungen an die äußere Erscheinung sind nun nicht immer 
leicht zu erfüllen. Es muß aber darauf gesehen werden, daß 
Uriel auch nicht äußerlich dem vielleicht etwas geckenhaft eiteln 
Jochai gegenüber eine traurige Figur macht. Das schwarze 
Kleid eines jüdischen Rabbi, mit dem die Darsteller durchweg 
erscheinen, legt diese Gefahr nahe, besonders wenn auch noch 
die Figur wenig imposant ist. Das „phantastische, ritterliche 
Gewand“ des Helden der Novelle ist infolge der veränderten 
Eingangssituation nicht zu gebrauchen. Außerdem soll Uriel 
einen „weiten Mantel“ tragen, was auch im Drama ge— 
boten ist, da er im 1. Aklt abreisen will, jedoch nicht, um 
den hilflosen Händen des Darstellers damit einen bis zur Er— 
müdung verbrauchten Haltepunkt zu geben. Im übrigen heißt 
es in einer Vorbemerkung der Manufkript-Ausgabe wörtlich: 
„Da sämtliche Personen dieses Dramas Israeliten sind, so 
muß der Verfasser bemerken, daß sie alle in der kleidsam ro— 
mantischen Tracht der spanisch-niederländischen Mode 
von 1640 auftreten und bei keinem einzigen Charakter, selbst 
dem des Akiba nicht, Dialekt angedeutet werden darf. Jeder, 
auch nur der leiseste Versuch jüdischer Eigentümlichkeiten in 
Sprache oder Benehmen muß in diesem Drama gänzlich fallen. 
Da in diesem Stück alle Juden sind, so ist es keiner.“ 
Dann das Spiel Uriels im 1. Akt. Vor allem muß sich
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.