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Zur Bühnengeschichte des "Uriel Acosta"

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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Jochai in der That einen größeren Raum eingenommen, eine 
ganze Scene zum Schluß des 3. Aktes, wo Jochais ränke⸗ 
süchtige Hinterlist schon über Manasses machtlosen Widerstand 
triumphiert, ist dem für den Altschluß günstiger wirkenden 
Monolog Judiths zum Opfer gefallen, eine Kürzung, die der 
Dichter wohl oder übel gutheißen mußte. Auch in den Aus— 
gaben letzter Hand fehlt sie. — Das Auftreten des jungen 
Spinoza endlich findet der Kritiker gemacht und für die 
Handlung ganz überflüssig. 
Begeistert urteilt dagegen die „Leipziger Zeitung“. Sie 
nennt das Stück vortrefflich angelegt, reich an geistreichen und 
echt poetischen Gedanken, die Charaktere meisterhaft gezeichnet; 
den 5. Alt findet sie jedoch etwas zu gedehnt. 
Alle diese Leipziger Kritiken waren ziemlich primitiv und 
wurden am wenigsten den Vorzügen und Schwächen des „Uriel 
Acosta“ gerecht. 
Von hier ging aber noch eine Kritik aus, die in 
prinzipieller Verneinung das Menschenmöglichste leistete, Arnold 
Ruge ist ihr Verfasser; sie findet sich im neunten Bande seiner 
„Sämmtlichen Werke“ (1848 Mannheim, J. P. Grohe S. 315 ff.) 
und spricht dem Werke Gutzlows jede Eigenschaft einer Tragödie 
ab. Ruge gibt eine Inhaltsangabe des Dramas, deren Stil 
das Prädikat schnoddrig im höchsten Grade verdient, und zieht 
dann eine Parallele zwischen Gutzkow und Friedrich Hebbel, 
in der er dem einen alles zuschreibt, was er bei dem andern 
vermißt; Ruge wußte ganz genau, daß in dieser Gegenüber— 
stellung für Gutzkow, mit dem er damals entzweit war, der 
bitterste Stachel steckte. „Machte Manasse nicht Concurs so 
wäre nichts vorgefallen“, meint Ruge. „Hebbel geht in „Maria 
Magdalena“ naiv auf seine Tragödie los; er vertieft sich in 
die eherne Nothwendigkeit seiner Starrköpfe; und diese Welt 
geht aus den Fugen. Gutzkow hingegen ist nicht so naiv. 
Offenbar will er mehr; es liegt ihm daran, unsere ganze Zeit 
auf die Bühne zu bringen, und sollte er darüber auch die Tragödie
	        
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