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Zur Bühnengeschichte des "Uriel Acosta"

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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und alles für seine am 1. Januar offiziell beginnende Wirk— 
samkeit vorbereiten. Lüttichau kam ihm liebevoll entgegen; das 
fremde Gesellschaftsleben fesselte ihn; dennoch sehnte er sich 
stets nach Frau und Kind und brütete immer darüber nach, 
wie am schnellsten ihre Übersiedelung zu bewerkstelligen sei. 
Gleich nach seiner Ankunft begannen die Proben seines 
neuen Stückes, von dessen Erfolg auch seine ganze Stellung 
in Dresden abhing. Am 14. Nov. war die Leseprobe des 
„Uriel Acosta“ gewesen. Die Scenenproben folgten rasch nach— 
einander. Schon die Proben setzten den reizbaren Dichter in 
Verzweiflung. „O Gott,“ schrieb er in jenen Tagen an Amalie, 
„heut bin ich mit Thränen von einer Vorprobe meines Uriel 
gekommen. Wie hämisch dieser Eduard Devrient dreinschaut, 
wie dieser eitle, unausstehliche Emil sich wie ein Gott gebärdet 
und seine schwachen Mittel mit einer erbärmlichen Arroganz 
verdeckt. Das also mein Beruf, auf den Proben von jeder 
Lappalie den Impertinenzen jener haarbuschigen Gesellen Rede 
zu stehen! Gott sei Dank, daß ich wenigstens den Vorteil 
habe, erst 35 Jahre alt zu sein und ein oder 3 verlorne Jahre 
meines Lebens, deren geheime Leiden die Welt nicht erfahren 
wird, nicht zu bejammern brauche. Vorläufig tröstet mich die 
staunende Bewunderung Lüttichaus, der es wahrhaft gut meint. 
Aber ich habe auch seit 8 Tagen bis 12 Uhr jede Nacht ge— 
arbeitet und eine Unmasse Stücke gelesen, überarbeitet, ge— 
strichen, eingerichtet, kurz er ist voll Anerkennung und sieht 
den Himmel voller Geigen. Bald wird's anders werden und 
wol durch niemand anders, als den Emil, der wirklich der 
Krebsschaden dieser Bühne ist. Ich denke aber, mich tapfer zu 
halten. Produziren werd' ich ein halbes Jahr lang nichts 
können, aber es werden auch Zeiten der Ruhe kommen, hoff' 
ich wenigstens. — ... Nun noch, am Sonntag, der Uriel! 
Vielleicht kein Anklang.“ 
Gewiß kann man sich kaum Gutzkows sensilbe Natur mit 
ihrer nervösen Reizbarkeit vorstellen mitten auf der Bühne
	        
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