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Zur Bühnengeschichte des "Uriel Acosta"

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

383 — 
ich will gern einer allgemeinen Leitung mich unterordnen, wenn 
sie mich nur nicht in Konflikt mit einem Bruder bringt, ich 
will die artistische Leitung des Ganzen befördern und vor ganz 
Deutschland zeigen, daß mir die Interessen der Kunst über alle 
Persönlichkeiten gehen, machen Sie der Sache dadurch ein 
Ende, daß ein Mann berufen wird, der kein Schauspieler 
ist, der jedem nahe steht, der das Ganze im Auge hat und 
welche Ernennung könnte wirklich mehr Aufsehen erregen, als 
die Deines Freundes, der, Laube vielleicht ausgenommen, der 
einzige praktische Kopf in der jetzigen Theaterrichtung der Lit— 
teratur ist. 
Oder will Holtei sich melden, der, wie ich lese, in Dresden 
spukt? Der ewige Totengräber, der immer das Grab im Ge— 
folge hat, hundertmal schon seine eigene Leichenrede hielt und 
mmer wieder von den Toten aufersteht? 
Käm' ich nach Dresden und Du hättest mir nicht den lieben 
Brief geschrieben, den ich hier von Dir vorfand, ich würde 
nicht die Miene um diese Angelegenheit verziehen. Ich suche 
nichts! Ich trage mich nicht an! Glaubt man, mich brauchen 
zu können, so bin ich da: ich hasche nicht nach einem letzten 
Rettungsbrett. Das Theater ist mein Lieblingsstudium. Leider 
geschieht viel, es mir zu verleiden und ernstlich denk' ich oft 
darüber nach, daß ich für meinen schwer errungenen Ruf viel 
wage, immer und immer wieder aufs Glatteis neuer Versuche 
zu gehen. Dennoch käme mir die Mahnung von außen, so 
sagt' ich freudig wieder der Bühne zu. Was ich ihr bieten 
kann, ist weniger, als Dein Bruder, und in manchem vielleicht 
mehr. Weniger insofern, als ich nie Regisseur sein will. Ich 
will mit den Regisseurs die Stücke durchgehen, Leseproben 
halten und auch den Proben beiwohnen, aber dabei eine ge— 
wisse Zurückhaltung beobachten und die Künstler sich aus sich 
selbst entwickeln lassen. Ich glaube gerade, daß dies Minus 
doch ein Plus ist vom höheren Standpunkte. Der dramatische 
Schwung, der in mir lebt, würde schon Formen schaffen und 
manches Tote beleben. Also Oberregisseur kann ich nicht sein: 
ich kann nur ein Freund und Rathgeber der Künstler werden 
und vielleicht mehr unter vier Augen, als lärmend auf den 
Proben wirken. Das alles auszuführen, fehlt mir die Zeit. 
Ich meine nur, hast Du Vertrauen zu mir, zu Deinem 
dankbaren Freunde, so schreibe mir umgehend hieher noch
	        
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