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Entstehungsgeschichte des "Uriel Acosta"

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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Tode gemartert werden, weil er aus künstlerischer Initiative 
den Götzen andere — Nasen gemacht hat. 
Die Abneigung gegen allen Symbolzwang war die Folge 
der Lektüre Rousseaus, wie Gutzkow in seiner „Verteidigung 
gegen Menzel“ gesteht, und der Einfluß seines Lehrers Hegel 
und dessen Philosophie. Hegels „Wissenschaftslehre“ gründet 
sich auf dem Satz: Die Versöhnung von Sein und Nichtsein 
ist das Werden. Dieser Satz war ihm ein klärendes Licht 
über die Geschichte der Religionen. In seinen „Lebensbildern“ 100) 
erzählt Gutzkow von einem „Damaskuswunder“, einer „my⸗ 
stischen Verzückung“, die er im Winter 1830 erlebte. Er 
streifte durch den Tiergarten, um „zu meditiren“. „Ein Licht⸗ 
glanz umgab mich. Ich sah durch die prismatische Beleuchtung 
des Satzes: „Was ist, ist vernünftig“, die Zeiten. Ich grü⸗ 
belte: Was heißt heidnisches Altertuum —? Gewiß, den einigen 
Gott kannte das Altertum nicht, den dreieinigen noch weniger. 
Wer aber darf den Stab brechen über die einzelnen Erschei— 
nungen jener ewigen Triebkraft der Geschichte, die zum Lichte 
drängt —?“ Zeus Kronion hat gelebt, „so gut wie Jehova, 
er hat beseligt, so gut wie der Gott der Christen, der ja auch 
nur eine höhere Stufe zum Gott Spinoza's ist ... Diese 
antike Welt, durch die Theologie verurtheilt, mußte ja so sein, 
wie sie war. Sie war keine Abirrung vom Gottesbegriff, 
sondern eine Entwickelung innerhalb desselben, ein nothwendiges 
Stadium seiner irdischen Darstellung.“ Dieser Hegelsche Grund⸗ 
satz: „Was ist, ist vernünftig“, setzte auch die Gleichberechtigung 
aller Religionen fest. Im „Maha Guru“ stellt der Dichter 
diesem steten Werdeprozeß den schroffen Satz des Großinquisi— 
tors entgegen: „Die Kirche ist unveränderlich. Alles, was 
diese Eigenschaft beeinträchtigen kann, muß sie unterdrücken.“ 180) 
In der „Wally“, in der „Philosophie der Geschichte“, in 
„Bulwers Zeitgenossen“, überall begegnen wir diesem Gedanken 
vom Fortschritt der Religion und ihrer Verständigung mit dem 
Geiste der Zeit. „Ich bezweifle nicht,“ sagt er in den „Zeit⸗
	        
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