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Entstehungsgeschichte des "Uriel Acosta"

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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Semestern, dem Zwang gehorchend, hauptsächlich theologische 
Vorlesungen. 
Bei Abfassung seiner philologischen Preisschrift über die 
Schicksalsgottheiten der Alten schwebte ihm der Gedanke vor, 
daß der Zweck alles Lebens und aller Geschichte die Hervor— 
bringung Gottes seiss). 
Der endliche Entschluß, der Theologie zu entsagen, reifte 
nur unter schweren inneren Kämpfen in Gutzkow heran. Zwei 
Mal hatte er schon die Kanzel bestiegen. Es war eben die 
Angst des Vogels, der schon die Kraft seiner Schwingen fühlt, 
aber sich noch nicht hinaustraut in die freie, aber bodenlose Luft. 
Die einzelnen Perioden seiner religiösen Entwickelung ver— 
gegenwärtigen sich uns in mehreren Werken. Jener ersten Zeit, 
wo der Zweifel ihm bodenlos erschien, abgrundtief, und er 
eine positive Wahrheit mit Angst und Qual entbehrte, ent⸗ 
stammen „Maha Guru, der Roman eines Gottes“ und die 
schon erwähnte Novelle „Der Sadducäer von Amsterdam“. 
In der Vorrede zu „Maha Guru“, spricht er darüber: „Immer 
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von einer oft quälenden Unruhe, sich in Gott und göttliche 
Dinge zu versenken, oft beglückt von einem milden Hauche der 
Gläubigkeit, viel öfter aber noch zerrissen von Zweifeln und er⸗ 
grimmt über die irdischen Entstellungen des Ewigen, erfaßte er 
[Gutzkow] mit Liebe den Gedanken, in profaner Weise die 
Inkarnation Gottes in einen Menschen zu schildern.“ Dieselbe 
quälende Unruhe sehen wir beim Uriel der Novelle. Und 
wenn der Dichter bei der Conception des „Maha Guru“ von 
der Frage ausgeht: „Glaubt er an sich ebenso, wie eine 
Nation an ihn glaubt?“, so schimmert daraus schon der Ge— 
danke hervor: 
„Nur was wir selber glauben, glaubt man uns.“ 
Zu diesem Glauben an sich selbst, zu einer festen Gewiß— 
heit von seiner Kraft und seinem redlichen Willen auch ist der
	        
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