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Karl Gutzkow und das Judentum

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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welche immer aussah wie ein knospendes Mädchen. Das 
Lesekränzchen alternierte: es wurde einmal in der Gutzkow⸗ 
schen Wohnung, das andere Mal in derjenigen des Dr. Stein⸗ 
heim abgehalten. Diese lag in Altona, ein einstöckiges weit⸗ 
läufiges Renaissance-Gebäude, von dessen Fronten die eine 
nach der Elbe, die andere in den Garten blickte. Steinheim, 
früher Arzt, jetzt in behaglicher Ruhe eines reichen Besitzes 
sich erfreuend, war ein hochgebildeter Mann, in der Literatur 
daheim wie Wenige, sprachgewandt; vor allem aber ein tiefer 
Kenner und leidenschaftlicher Freund der Musik. Er hat nicht 
nur den Tert zu verschiedenen Oratorien geliefert — z. B. 
zu Ferdinand Hillers „Zerstörung von Jerusalem“, sondern 
solche und anderes auch selber komponirt. Seine Gattin, eine 
stille, receptive Natur, verband die besten Weltformen mit an— 
muthender Häuslichkeit. Damals stand die Emanzipation der 
Juden auf der Tagesordnung der Welt in Hamburg; Stein⸗ 
heim war einer ihrer glänzendsten Verfechter, ward aber weit 
überholt von einem anderen Mitgliede des Gutzkowschen Lese— 
kränzchens, seinem Freunde Gabriel Rießer.“ 
Zeise gedenkt dann noch Ludwig Wihls, des „allezeit 
reimfertigen Poeten, liebenswürdigen Menschen und trefflichen 
Gesellschafters,“ Ludolf Wienbargs und der beiden Schwestern 
Assing, von denen Ottilie, neben Gutzkows dominirendem Talent, 
die beste Leserin des Kränzchens war. 
Uns interessiren hier zwei Namen, vor allem: Steinheim 
und Rießer, da sich zwischen diesen drei Freunden — Gutzkow 
inbegriffen — wenige Monate nach jenem von Zeise geschilderten 
Leseabend eine öffentliche Polemik über die Judenfrage entspann, 
die für alle Beteiligten sehr charakteristisch ist. 
Unter den Altonaer Aerzten, erzählt Zeise weiter, erfreute 
sich damals Dr. Salomon Levi Steinheim eines sehr ge— 
achteten Namens; er war am 6. August 1789 zu Bruchhausen 
geboren, hatte im Jahre 1811 in Kiel promovirt, und ließ 
sich dann als Arzt in Altona nieder. Hier zeichnete er sich
	        
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