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Karl Gutzkow und das Judentum

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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müßten nur nach dem beurtheilt werden, was sie über die 
Emanzipation denken, er ist derjenige, der die Emanzipation 
ertrotzen will und auf seine Briefe und Siegel, auf seine 
Millionen, die ja der Staat nicht mehr umgehen könne, auf 
seine Steuern, die er ja zahle, wie jeder Andere, auf seine 
Menschenrechte, auf das ohnehin ja ausgeflachte moderne 
Staatsleben zeigt, bald zudringlich, bald emphatisch, bald 
spottend. Gerade dies ist der moderne Ahasver, wie er noch 
immer unter uns schachert und trödelt, wie er in der Literatur 
witzelt, das Organische zersetzt, der schlechte, sich auf sich selbst 
steifende Theil des Judenthums, der Theil des Judenthums, 
der meinetwegen jetzt selbst sich schon besingt, Ahasver, der sich 
selbst in Gedichten auf sich selbst zum großen Mann und Zu— 
kunftsmissionär macht.“ 
Gutzkow legt sodann selbst einen Plan auseinander, nach 
dem er den Stoff Ahasver behandeln würde, und seine Auf— 
fassung wird noch heute interessieren, wo ja die Reihe der 
Ahasverdichtungen immer noch durch neue verlängert wird. 
„O ich möchte Euch einen Ahasver geben! Ich würde 
dem Judenthum seine Geheimnisse erschließen und dem Christen⸗ 
thum seine Hoffnungen. Ich würde dem Juden nicht vorwerfen, 
daß er kein Christ, aber ich würde ihm zeigen, was er wurde 
dadurch, daß er kein Christ wurde. Christus fluchte dem nicht, 
der nicht seines Glaubens war, er fluchte ihm, weil ihm Plato, 
Sokrates, weil ihm Confucius und Muhamed auch geflucht 
haben würden, er fluchte ihm, weil er ohne Herz war, weil 
er das Verbrechen Christi, nicht der beleidigten Propheten, 
sondern des schlechten Erfolges wegen verachtete und einen 
Unglücklichen verspottete. Um wieviel höher stand der Heide 
Pontius Pilatus, als dieser Ahasver! Ich würde eben zeigen, 
daß es eine Mataphysik in der Sage giebt und daß in ihr das 
ganze Schicksal des Judenthums allerdings ausgesprochen liegt. 
Ich würde Ahasver nicht so schildern, wie ich ihn vorhin 
den modernen nannte. Ich würd' ihm nur Trabanten geben,
	        
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