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Karl Gutzkow und das Judentum

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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wenn eine Spur der Verständigung sich zwischen ihnen nun 
entwickelt habe. 
Noch im Gefängnis hatte Gutzkow aber schon auf andere 
Weise mit Jacoby abgerechnet. Er hatte in das 3. Buch seines 
Romans „Seraphine“u1i), der jedoch erst 1837 bei Hoffmann 
&C Campe erscheinen konnte, da Cotta infolge des Bundes⸗ 
tagsbeschlusses den Verlag ablehnte, ein litterarisches Porträt 
des Überläufers aufgenommen. Er läßt die Heldin seines 
Romans die Audienz Jacobys bei einem Minister belauschen, 
in der der frühere Revolutionär der Regierung seine Dienste 
anträgt und um eine oöffizielle Maske bittet, damit seine 
systematische Minierarbeit wirksamer sei. Die Schilderung und 
die Selbstbekenntnisse des Bittstellers sind deutlich und charakte⸗ 
ristisch genug, daß sie einen historischen Wert besitzen!n2); in 
der 2. Ausg. ist durch die Ortsbezeichnung „Halle“, wo Jacoby 
gerade herkommt, noch schärfer auf das Urbild hingewiesen. 
„Er hatte einen ganz gelben Teint, entweder schwarze oder 
tiefbraune Augen und war bis ins Wilde mit pechdunkelm 
Haar und Backenbarte bewachsen. Seine Kleidung verrieth 
zu gleicher Zeit geniale Nachlässigkeit und nicht weniger be— 
absichtigte Eleganz. Seine Haltung war gebückt, indem aber 
gleichsam seine Augen dem Kopfe um einige Fuß voraus 
waren, so thätig lugten sie in die Weite hinaus.“ Er wird 
bei dem Minister vorgelassen und entwickelt diesem nun seinen 
Lebens⸗ und Entwickelungsgang: „Ich habe als Student aller⸗ 
lei Studien die Kreuz und Quere getrieben. Ich disputirte 
über die neueste Philosophie, und kam leider durch die Eitel— 
keit, mich gedruckt sehen zu wollen, in die Sphäre einiger Lokal⸗ 
journalisten hinein, welche gleichfalls meines Glaubens, sich 
besonders mit der Theaterpolemik beschäftigten. Von da ging 
ich in eine durch ihre litterarische Industrie berühmte Handels— 
stadt sn. b. Leipzig] und arbeitete für die Ideen, die kurz nach 
der Julirevolution sich über Süddeutschland verbreitet hatten. 
Der buchhändlerische Spekulationsgeist machte meine liberali—
	        
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