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Dichter und Schauspieler

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

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wir ihnen in seinen Briefen, auch in dem hier veröffentlichten: 
„Aber ich möchte Ihnen zurufen: machen Sie schnell!“ Und 
was endlich Gutzkow wieder von ihm berichtet: „Die Gedanken 
an einen plötzlichen Tod, ja an einen Tod, wo ein finsterer 
Dämon sich seiner willenlos bemächtigen und ihn jählings in 
die Tiefe stürzen könnte, verließen ihn nicht mehr“, das deckt 
sich aufs Genaueste mit dem eigentümlichen Problem, das im 
„13. November“ behandelt ist. Hier ist es auch ein finsterer 
Dämon, der Arthur Douglas die Pistole in die Hand giebt, 
das Gespenst des selbstmörderischen Vaters und die alte 
Tradition von dem Schicksal, das an einem bestimmten Tage 
seinem Hause Verderben bringt. Die Stimmung, die über 
diesem Schauspiel liegt, die sehnsüchtelnde Weichheit und Ver—⸗ 
zweiflung, das förmliche Genießen des Todgedankens, das alles 
entspricht in Inhalt und Klang so völlig den zahlreichen brief⸗ 
lichen Außerungen Seydelmanns, daß man beides mit einander 
vermischen und alles sowohl dem Stück als den Briefen zuschieben 
könnte. So hat Gutzkow wenigstens dem tragischen Geschick 
Seydelmanns in seinen Werken ein Denkmal zu setzen versucht. 
Noch eine andere dramatische Idee aber ist auf Seydel⸗ 
mann zurückzuführen. Aus dem Jahre 1841 findet sich in 
Gutzkows hinterlassenen Entwürfen die Notiz: „Ein Laster, 
das man noch mit der ganzen Schärfe Molières auf die Bühne 
bringen könnte, ist das Mißtrauen, der Argwohn“. Diese 
Idee ist eines der Grundmotive zum „Urbild des Tartüffe“, 
das 1844 entstand. Was der Dichter kurze Zeit vorher von 
Seydelmann schrieb: „Er witterte überall Verrath und Miß— 
gunst“, das ist zum Hauptcharakterzug des Molidre in jenem 
Lustspiel geworden. So hat also Seydelmann, der so sehn⸗ 
lichst wünschte, im Werke eines Dichters fortzuleben, auch hier, 
wenn auch nicht seinem Gedanken entsprechend, ein litterarisches 
Verdienst, indem er wenigstens eine Anregung gegeben zu 
einem der Meisterwerke seines Freundes Gutzkow.
	        
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