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Dichter und Schauspieler

Full text: Gutzkow-Funde / Houben, Heinrich Hubert (Public Domain)

117 — 
Franz Liszt, der damals in Berlin konzertirte, und bat ihn, 
„aus diesem aufgegebenen Thema schöne Variationen“ zu 
machen. Aber obgleich sie ihn am Schluß des Briefes „in 
Gedanken auf die Stirne“ küßt, die „in diesem Augenblick 
unbewölkt“ sein möge, hatte sie mit ihrem Anliegen wenig Glück, 
und einige Wochen später beschwert sie sich bitter über ihn. 
„So böse wie ich diesmal auf Sie bin, hätte ich nie ge— 
glaubt, daß ich je werden könnte; die erste Bitte, die ich an 
Sie richte, konnten Sie abscheulicher unerfüllt lassen. An Ihre 
Eifersucht glaube ich nicht, weil ich von Ihrer Liebe noch 
nichts gemerkt; wo das Eine nicht existirt, giebt es auch kein 
zweites, oder umgekehrt. 
Es ist eine schlimme Sache mit dem Glauben; wenn man 
uns versichert, daß man uns liebt, denken wir meistens, daß wir 
belogen werden, wenn man mir sagt, daß man mich haßt, 
zweifle ich keinen Augenblick. — 
Wären Sie doch aufrichtig gewesen, hätten Sie mir nur ge— 
sagt, „Mademoiselle ihr Brief ist mir zu dumm, ich will nicht 
daß die Welt sie von dieser Seite noch mehr kennen lernt, 
sonst würde ich ihn aufgenommen und ihren Namen darunter 
gesetzt haben, weil ein anonymes Lob mir odiös ist. — 
Emil de Girardin, der Redacteur der „Presse“, war galanter 
als Sie, der hat mir, indem er meine Korrespondenz aufnahm, 
ein Relief gegeben, das mich stolz macht, aber Ihr Deutsche 
feid Pedanten. So — jetzt habe ich gescholten genug und 
nun soll die Hand, die erst geschlagen, ihr möglichstes thun, 
um versöhnend zu streicheln und zu schmeicheln. Also — Ihre 
Rolle werde ich, trotz Ihrer schlechten Behandlung, die Sie 
Ihrer ersten Liebhaberin zufügten, mit Lust und Liebe erfaßen 
— sie kommt ja von Ihnen — Sie haben ja meiner gedacht, 
nur kränkt es mich, daß die verruchte Koketterie die Grund— 
idee der Sache ist. N. B. ich kenne sie bis jetzt nur aus Ihrem 
Brief, der mich diesmal weniger gefreut als verdroßen hat. 
Eine Zurückweisung ist immer etwas Beschämendes. Kränkung 
gesellt sich aber zu ihr, wenn sie von Ihnen kommt. 
Ich bin hier in Stettin, wo ich jeden Tag spiele, heute ist 
es der fünfte. In Berlin erxistirt ein Verein gegen Thier— 
quälerei, gegen Gastrollenqual ist noch nichts erfunden. Den 
30. 1. bin ich wieder in Berlin, wohin ich mich, da ich leidend
	        
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