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Zur Geschichte von Schivelbein (1847)

Full text: Zur Erinnerung an Rudolf Virchow / Virchow, Rudolf (Public Domain)

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aber den Einfluß von Waldungen auf die Anhäufung von Wasser 
im Boden, der sich gerade hier seit der Abholzung des Hammer⸗ 
holzes in der großen Abnahme der Feuchtigkeit in den Wiesen und 
Brüchen, auch abgesehen von anderen Ursachen, nicht verkennen 
läßt, so begreift man, daß der Döberitz-See früher weit größer 
gewesen und namentlich das nachher Seeriege genannte Bruch 
erfüllt haben muß. Von da aus hat sich das Wasser einst Bahn 
gebrochen zu dem Talbett der Rega; es giebt eine zusammen⸗ 
hängende Reihe von Wiesentälern, in denen nicht selten urweltliche 
Reste gefunden werden, Zeugnis von diesem vorgeschichtlichen Er⸗ 
eignis. Indem aber das Wasser des Sees zunächst in zwei 
ziemlich parallelen Strömen gen Westen hervorbrach, zwei Täler 
durch die frühere Ebene ausriß und sich dann später wieder ver⸗ 
einigte, ließ es zwischen sich ein Stück der Ebene unberührt, welches 
man jetzt als einen isolierten Hügelzug auf dem Klützkower Wege 
übersteigt und dessen höchster Punkt sich unmittelbar links vom 
Wege erhebt. Die Separation brachte denselben in den Besitz 
unserer Familie, und bisher ist er noch freigeblieben von den Eingriffen 
des Ackerbaues. Eine hohe Esche, die im gewöhnlichen Leben immer 
noch die hinterste Pöppel genannt wird, obwohl seit Menschen⸗ 
gedenken keine Pappel hier gestanden, dient jetzt gewissermaßen 
zum Signalpunkt der ganzen Gegend. Unter ihr gelagert, erblickt 
man die ganze Ebene von Schivelbein mit ihren Dörfern und 
die Talbildung des Döbritz-Sees. Im Sommer ist diese schöne 
Stätte mit einer dichten Blumendecke überzogen, und das Auge 
des Botanikers entdeckt unter dem duftenden Thymian, dem groß⸗ 
blütigen Klee der Hügel, der knäueligen Glockenblume, den Cen⸗ 
taureen und Senecios auch die selteneren Blüten des Steinbrechs 
und des Sommerröschens. Unter ihnen ragen hervor in zusammen⸗ 
hängender Reihe große Granitblöcke, die Fundamente der alten 
Kapellenmauern. Nach Westen zu, wo die Esche steht, liegt die 
andere, schmale, gerade Reihe; an ihren Enden laufen zwei ge— 
krümmte Reihen gen Osten in eine Spitze aus und umschließen 
das innere Oval der Kapelle. Im Innern liegen noch einige 
Steinhaufen, vielleicht herabgefallen, vielleicht aber die Stelle des 
Altars andeutend.
	        
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