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Das Karthaus vor Schivelbein (1843)

Full text: Zur Erinnerung an Rudolf Virchow / Virchow, Rudolf (Public Domain)

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Denn den Karthäusern zeigte er sich stets günstig (J. Voigt, 
Gesch. Pr. VI, pag. 761, Not.), und es ist uns dies ein neuer 
Beweis, daß gerade Konrad von Erlichshausen wirklich der Stifter 
unseres Klosters gewesen sei. Meldet doch Tesch ausdrücklich, daß 
sein Bild, wie er eben kniete, an dem Altare desselben angebracht 
gewesen und erst später nach der Schloßkapelle gebracht worden sei. 
Jetzt ist leider jede Spur davon verloren. 
Der Karthäuser-Orden, der 1084 in der wilden Schlucht 
der Chartreuse bei Grenoble entstanden war, hatte sich nie einer 
sehr großen Verbreitung zu erfreuen gehabt, da die rigide Strenge 
seiner Regel ebenso zurückstieß, als die träge Faulheit, die üppige 
Genußsucht der meisten übrigen Orden anlockte. Am wenigsten 
hatte er sich in unseren nördlichen Gegenden verbreitet, wo der 
praktische Sinn der Bewohner diese einsame und grausame 
Kasteiung des Fleisches, diese anhaltende Tortur des Geistes 
schaudernd zurückwies.) Von Prag aus, wo noch heute ihr 
Kloster zu schauen ist, hatten die Karthäuser 1380 Marien 
Paradies bei Danzig und, wie es scheint, 1396 das Karthaus 
von Frankfurt a. O. gestiftet; wenigstens bestätigte Kaiser Wenzel 
den ersten geistlichen Vorstand desselben. (Angelus Ann. March. 
Brand. pag. 173.) In Rostock bestand das Kloster Marien Ehe 
oder Eigentum (legis Mariae), von wo eine Kolonie 1360 nach 
Stettin ging und das Kloster Gottes Gnade gründete, die nach— 
herige Oderburg — der Sitz des Hofes und der Kerker Sidoniens 
von Bork. Endlich hatte Adelheid von Braunschweig, Herzog 
Bogislaws V. Gemahlin, 1356 Marien Krone bei Rügenwalde 
(eigentlich zu Lanzke) angelegt und zwischen der Scheide von 
Körlin auf dem Knichlande 1394 ein Kloster gestiftet, von dem 
es nicht recht entschieden ist, ob es dem Cistercienser- oder Kart⸗ 
häuser-Orden angehört habe (Steinbrück, Geschichte der Klöster 
*d Das hier ausgesprochene Urteil über die Mönchsorden und 
insonderheit über die Karthäuser stimmt nicht durchaus mit der Ansicht 
der Redaktion. Sie hält vielmehr dafür, es geschehe einem Institut des 
Mittelalters nicht sein Recht, wenn man es, vereinzelt und herausgerissen 
aus der Welt, der es angehört, an dem Bedürfnis unserer Zeit, ja nur 
einer einzelnen Richtung unserer Zeit messen will.
	        
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