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III. Kapitel. Sänger und Schauspieler. 1848-1859

Full text: Erinnerungen aus meinem Leben / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

Attentat auf Kaiser Joseph. Graz. Karl von Holtei. 69 
so daß er sich ohne Zaudern an die musikalische Bearbeitung 
des Textes machte. Es wurde dies die Oper „Nabuco— 
donosor“, welche bekanntlich Verdi's Ruf als Komponist 
begründet hat. Wie bereits früher erwähnt, war ich 
während meines Pariser Aufenthalts Zeuge des groß— 
artigen Erfolges dieser Oper bei ihrer ersten Aufführung. 
Erwähnt sei noch aus der Zeit meines Wiener Auf— 
enthaltes das scheußliche Attentat des aus Ungarn gebür— 
tigen Schneiders Libény auf den Kaiser von Oesterreich. 
Auf einem Spaziergang in der Nähe der Burg, in Be— 
gleitung seines Adjutanten, wurde der Monarch von 
Libény hinterrücks angefallen und im Genick durch einen 
Dolchstich schwer verwundet. Wie mir damals Dr. Vive— 
not mitteilte, war der Kaiser durch den gewaltigen Stoß 
einige Tage des Augenlichts beraubt. — Libény wurde 
schon nach kurzer Zeit durch Erhängen hingerichtet. Der 
Mörder war ein kleiner, schwächlicher Mensch, der durch 
Freiheitslieder und demokratische Schriften fanatisch ge— 
worden war. Trotzdem die Hinrichtung ziemlich weit vom 
Innern Wiens stattfand, war der Andrang des Publi— 
kums zu der Exekution sehr stark. Den Mörder zu sehen 
bot sich hinlänglich Gelegenheit, da er vom Morgen bis 
Nachmittag 4 Uhr am Galgen hängen blieb zur Schau. 
Mich trieb die Neugierde ebenfalls zur Richtstätte hinaus. 
Im Jahre 1888 trat ich ein nach Graz abgeschlossenes 
Engagement an. In dieser Stadt traf ich mit dem mir 
aus Breslau wohlbekannten Karl von Holtei zusammen, 
der hier bei seiner verheirateten Tochter wohnte. Diesen 
liebenswürdigen Dichter, Schriftsteller und ausgezeichneten 
dramatischen Vorleser habe ich während meines Grazer 
Aufenthaltes oft zu bewundern Gelegenheit gehabt. 
Im Mai 18854 wurde ich nach Stettin als Vertreter 
des für Berlin verpflichteten Gustav Berndal engagiert,
	        
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