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II. Kapitel. Studienaufenthalt in Paris. 1845-48

Full text: Erinnerungen aus meinem Leben / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

Frau Schröder-Devrient. Abende bei Lassalle's Schwager. 49 
Arien aus Weber's „Freischütz“ vorsang. Zu einer für 
Madame de Döring angesetzten Stunde hatte Garcia mich 
zu sich bestellt, wollte mich erst singen lassen und dann 
Frau von Döring mit der Anrede „à vous Madame 
Devrient“ zum Singen auffordern. Er hatte nämlich 
inzwischen eruiert, wer sie eigentlich sei. Manuel Garcia, 
ein Spanier von seltenem Temperament, lief erregt im 
Salon umher und konnte den Augenblick kaum erwarten, 
die Künstlerin vor einem Zeugen bei ihrem wirklichen 
Namen zu nennen. Aber wiederum täuschte sie den 
Meister. Anstatt Madame de Döring kam ein Brief von 
der Sängerin, der gewissermaßen eine Entschuldigung ent— 
hielt und in welchem es hieß, daß sie nach den großen Er— 
folgen seines Unterrichts bei ihrer Kollegin Wagner das 
heiße Verlangen gehabt hätte, ihre Stimme und ihr 
Können von dem berühmten Lehrer der Jenny Lind prüfen 
zu lassen. Weiter schrieb sie in dem Briefe, daß sie nicht 
mehr jung genug sei, um ihre Methode ändern zu können. 
Garcia war außer sich und bat mich, ihm die Adresse der 
Devrient zu verschaffen. Ich begab mich sofort zur 
sächsischen Gesandtschaft, erfuhr aber dort, daß Madame 
schon abgereist wäre. 
Ich pflegte die Abende, wenn ich nicht anderweit in 
Anspruch genommen war, im Caf«é Richelieu zuzubringen. 
Hierin trat für einige Zeit eine Aenderung ein. Eines 
Tages empfing ich den Besuch eines Bekannten aus 
Breslau. Es war der Schwager Ferdinand Lassalle's, 
Herr Friedland, der für längere Dauer nach Paris ge— 
kommen war, um mit einem französischen Ingenieur 
namens Boulanger die Pläne für die von ihnen gemeinsam 
übernommene Einrichtung der öffentlichen Gasbeleuchtung 
in Prag zu beraten. Friedland war mit seiner Gattin und 
seinem Schwiegervater, dem alten Lassalle, welcher in 
—A
	        
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