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II. Kapitel. Studienaufenthalt in Paris. 1845-48

Full text: Erinnerungen aus meinem Leben / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

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Die Italienische Oper. 
als durch seinen Gesang, alle Mitwirkenden in den 
Schatten. Als Leporello hinterließ er denselben Eindruck 
und geradezu unerreicht war er in Donizetti's „Don 
Pasquale“. Ungeachtet seiner Körperfülle bewegte er sich 
mit unglaublicher Leichtigkeit. Früher pflegte er eifrig 
das Cellospiel; infolge seiner zunehmenden Beleibtheit 
war er an der Fortsetzung dieser edlen Passion leider be— 
hindert. Dem Cello hatte er ganz besonders den schönen 
Ton seiner Stimme abgewonnen. 
Die Italienische Oper war damals der Sammelpunkt 
der vornehmen Gesellschaft von Paris. Das reich aus— 
gestattete Haus und die unübertrefflichen Vorstellungen 
mit ersten italienischen Künstlern zogen das Publikum 
während der sechsmonatlichen Dauer mächtig an. Giulia 
Grisi war eine hochdramatische Sängerin ersten Ranges. 
Auf der schönen Gestalt saß ein Kopf mit edlen, vornehmen, 
ausdrucksvollen Zügen. Die Donna Anna im „Don 
Juan“ war eine ebenso großartige Leistung wie ihre 
Norma. In letzterer Oper rivalisierte sie in London mit 
der Jenny Lind, welche die Titelrolle im Majesty-Theater 
sang, während die Grisi sie im Durylane-Theater gleich— 
zeitig gab. So vollendet auch die Lind die Aric „casta 
diva“ vortrug und damit die Grisi überflügelte, in der 
Norma war es jedoch die letztere, welche ihre Rivalin so 
gewaltig überragte, daß diese Oper mit der Grisi noch 
längere Zeit gegeben wurde, während die Lind schon andere 
Partien ihres Reportoires folgen ließ. Die Grisi sagte 
zu jener Zeit: „Non ce che una Norma e questa 
Norma son io“ (Es giebt nur eine Norma und diese 
Norma bin ich) und sie war damit im Recht. Die Grisi 
hatte den Fehler, daß ihre Speicheldrüsen zu stark 
funktionierten, was dadurch, daß sie den Speichel während 
des Singens hinunterschlucken mußte, der Künstlerin das
	        
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