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II. Kapitel. Studienaufenthalt in Paris. 1845-48

Full text: Erinnerungen aus meinem Leben / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

Manuel Garcias Gesangsmethode. Thalberg. Lablache. 39 
„Norma“. Sie brachte die Piece jedesmal in vollendeter 
Weise zu Gehör. Nach kurzer Zeit überholte sie ihre Mit— 
schülerin und Landsmännin Nilsen. 
Während ich fleißig meinen Studien oblag, war ich 
zugleich bemüht, meinen Bekanntenkreis, namentlich unter 
Sängern und Sängerinnen zu erweitern. Damals lebte 
der berühmte Klaviervirtuose Sigismund Thalberg in 
Paris; er war mit der Tochter des berühmten Bassisten 
Luigi Lablache verheiratet. Thalberg, ein unendlich be— 
scheidener und liebenswürdiger Mann, führte mich bei 
seinem Schwiegervater ein. Dort verlebte ich hoch— 
interessante Abende. Lablache war Witwer, aber seine 
Tochter, Frau Thalberg, verstand es durch die anmutige 
Art ihrer Repräsentation den Gästen ihres Vaters den 
Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Zu den 
Besuchern zählte auch der an der Großen Oper engagierte 
stalienische Tenorist Gardoni, der vordem in Berlin mit 
großem Erfolge gastiert hatte. Gardoni, eine durchaus 
sympathische Erscheinung, sang neben dem berühmten 
Tenoristen Duprez auch in der „Favoritin“ und gefiel mit 
Recht. Er verließ trotzdem die Große Oper und ging wieder 
zur Italienischen Oper über. 
Lablache war und bleibt für mich der erste Sänger 
der Welt. Er besaß die größte und mächtigste Stimme, 
die ich je gehört habe. Sie wurde von ihm nur künst— 
lerisch behandelt, nie ließ er sich verleiten, anders zu 
wirken als durch die Schönheit und Fülle des Tons, und 
doch war die Wirkung stets mächtig. Er war ein Sänger 
von Gottes Gnaden. Ebenso bedeutend war er aber auch 
als Darsteller. In einer von mir besuchten Aufführung 
des „Barbier von Sevilla“ in der Italienischen Oper, mit 
Gesangsgrößen, wie Mario, Ronconi, Persiani, stellte 
Lablache in der Rolle des Bartolo, sowohl durch sein Spiel
	        
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