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I. Kapitel. Aus der Jugend- und Militärzeit. 1821-1845

Full text: Erinnerungen aus meinem Leben / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

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Franz Liszt. 
befürchten ist. Liszt spielte in einem dieser Konzerte, nach— 
dem er kurz zuvor ein lukullisches Diner beim Baron 
Rosenberg eingenommen und, wie ich als Teilnehmer der 
Tafel bemerkt zu haben glaubte, wohl etwas zu viel von 
den vortrefflichen Weinen genossen hatte. Der Meister ver— 
ließ inmitten der ersten Nummer den Flügel, da eine Saite 
gesprungen war, um die Piece auf dem anderen Flügel 
zu Ende zu spielen. Er erschien sichtlich indisponiert. 
Ich befand mich mit dem Grafen Telecki in einer der 
Logen, als ich bemerkte, daß Liszt's Haar beim Wieder— 
auftreten auffallend glänzend und dunkel war. Ich eilte 
mit Telecki, nichts Gutes ahnend, in Liszt's Garderobe, wo 
wir erfuhren, daß der geniale Künstler, um wieder ganz 
Herr seiner geistigen und physischen Kräfte zu werden, sich 
einen Eimer Wasser hatte über den Kopf gießen lassen. 
der kleine Rausch war vorüber, und nun begeisterte Liszt 
das Publikum mit jeder Nummer durch sein zugleich tech— 
nisch vollendetes und seelenvolles Spiel. Der Eimer 
Wasser hatte seine Schuldigkeit gethan. 
Der Enthusiasmus für den großen Pianisten ging so 
weit, daß die Breslauer Studenten nach einem seiner Kon— 
zerte einen Fackelzug veranstalteten, mit welchem sie Liszt 
nach seinem Hotel geleiteten, um dann vor demselben 
Studentenlieder vorzutragen, die mit dem „Gaudeamus 
igitur“ endigten. Eine Deputation der Studenten wurde 
von Liszt mit seiner bezaubernden Liebenswürdigkeit 
empfangen. Der Champagner floß unaufhaltsam in die 
Gläser, die von den Studenten fleißig geleert wurden. 
Wie groß die Zugkraft Liszt's auch in Breslau war, 
beweist am besten der Umstand, daß der damalige, vor— 
treffliche Bassist des Stadttheaters, Herr Hirsch, der Liszt 
gebeten hatte, bei seinem Benefiz („Die Zauberflöte“) zu 
dirigieren, damit ein ausverkauftes Haus erzielte.
	        
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