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I. Kapitel. Aus der Jugend- und Militärzeit. 1821-1845

Full text: Erinnerungen aus meinem Leben / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

4 Aus den Kriegsjahren. Blücher in Paris und London. 
Auf Zureden meines Vaters, der auch hier wieder den 
Dolmetscher machen mußte, zahlte er die 40 Fres., wobei 
er seinem Unwillen in kernigen deutschen, für die Franzosen 
nicht sehr schmeichelhaften Worten Ausdruck gab. 
Bei seiner Anwesenheit in London, wohin ihn seine 
beiden Adjutanten begleitet hatten, wurde Blücher über— 
schwenglich gefeiert. Wenn er in geschlossenem Wagen in 
den Straßen fuhr, mußte er die Hand aus dem Wagen— 
fenster strecken, die dann von den begeisterten Eng— 
länderinnen geküßt wurde. Das wurde ihm mit der Zeit 
zu lästig, und er pflegte dann meinen Vater oder den 
Grafen Nostiz mit den Worten: „Strecke er einmal die 
Hand aus“ zu veranlassen, die Hand aus dem Wagen— 
fenster zu halten. Da wurde er des Lachens nicht müde, 
wenn von den Engländerinnen die Hand seines Adjutanten 
geküßt wurde. Zeigte er sich zu Fuß, so geschah es wieder— 
holt, daß man ihm von den spitzen Schößen seiner Uniform 
Stücke abschnitt, um ein „Andenken von Blücher“ zu haben. 
Wiederholt geschah dies auch bei seinen Adjutanten. Als 
mein Vater und Nostiz dies dem Fürsten mitteilten und 
Entschädigung verlangten, brummte Blücher: „Ihr wollt 
Euch wohl hier neue Uniformen anschaffen?“ 
Damen gegenüber war Blücher sehr liebenswürdig. 
So trug er während des Londoner Aufenthaltes meinem 
Vater auf, an die Mutter des in der Schlacht bei Leipzig 
gefallenen Kapitäns Bogue ein Kondolenzschreiben abzu— 
schicken, das ich nebenstehend in Faksimile beisetze. 
Kurz vor dem Beginn der Feindseligkeiten im Jahre 
1818 verfiel Blücher in gelegentlich seltsame Wahnvor— 
stellungen. Er glaubte damals, daß er zur Strafe für 
seine Sünden einen Elephanten im Leibe trage. Ein 
anderes Mal wähnte er, daß seine Bedienten von Napoleon 
bestochen wären und die Fußböden seiner Zimmer von
	        
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