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III. Kapitel. Sänger und Schauspieler. 1848-1859

Full text: Erinnerungen aus meinem Leben / Strantz, Ferdinand von (Public Domain)

Devrient. Döring. Wollheim da Fonseca. Pauline Déjazet. 79 
Man kann sich Marr's Enttäuschung ausmalen. 
Um die großen Vorzüge des Chéri Maurice voll und 
ganz würdigen zu können, sei hier ein Beispiel seiner Regie— 
führung erzählt: In einer von ihm geleiteten Probe, die 
mit Friedrich Devrient, dem Sohne von Karl Devrient 
und der berühmten Sängerin Schröder-Devrient, statt⸗ 
fand, ließ Maurice eine Szene mehrere Male wiederholen 
und sagte schließlich mit seiner bekannten Ruhe: „Die Szene 
müssen wir noch einmal probieren, der Gast hat nicht ge⸗ 
lernt.“ Für seine Mustervorstellungen schwärmten selbst 
andere Theaterleiter, und das will alles sagen. 
Der letzte berühmte Gast bei Sachse war Theodor 
Döring. Dieser gottbegnadete Künstler zog das Publikum 
mächtig an, selbst im heißen Monat Juli spielte er vor aus— 
verkauftem Hause. 
Nach Sachse übernahm Wollheim da Fonseca die 
Direktion des Hamburger Stadttheaters, leider mit ebenso 
geringem pekuniären Erfolg wie sein Vorgänger. Ihm 
fehlte die erforderliche feste Hand zur Leitung eines 
Theaters, er überließ seinem damals noch am Stadttheater 
engagierten Oberregisseur Görner die Dispositionen, die 
von diesem mehr im Sinne einer Befriedigung der eigenen 
Spielsucht, als im Interesse des Ganzen getroffen wurden. 
In der Verzweiflung über die geringen Kassenerfolge suchte 
Wollheim auch durch Veranstaltung von Gastspielen das 
Publikum anzuziehen. 
Im Oktober 1858 begann Pauline Déjazet ein Gast—⸗ 
spiel als „kleiner Richelieu“ und im „Bengalischen Tiger“. 
Die 61jährige Künstlerin sah auf der Bühne noch recht 
jugendlich aus. Sie befaß dieselbe Frische, wie vor 
10 Jahren, als ich sie in Paris im Théatre du Palais 
royal gesehen hatte. Am meisten wirkte sie durch große 
Wahrheit des Spiels, besonders aber in den bei Seite ge⸗
	        
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