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Verfolgung und Gefangenschaft

Full text: Streiflichter aus meinem Leben am deutschen Hofe, unter baltischen Fischern,und Berliner Sozialisten und im Gefängnis, einschließlich "Ein Daheim in der Fremde" / Schimmelmann, Adeline von (Public Domain)

Befreiung. 
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In dem Staatsasyl, in welches ich am 28. März 1894 
abgeliefert wurde, behandelte man mich sehr freundlich. Die Leiter 
waren anständige Leute, so daß ich, wenn ich wirklich eine Irre 
gewesen wäre, ganz zufrieden hätte sein können; aber unter diesen 
Umständen floß die Zeit langsam dahin. Das Leben gestaltete sich 
unerträglich traurig und elend, weil mein Herz in großer Sorge 
um die Kinder, meine Arbeit und meine Häuser war. Nach unserm 
—DD—— 
der Zustand eines Menschen, der durch ein Attest eines Arztes 
als wahnfinnig ausgegeben, von ürzten eines Staatsirrenhauses 
beobachtet wird, ehe diese etwa solches Attest als falsch erklä— 
ren dürfen. 
Inzwischen hatte nämlich Pontoppidan, wahrscheinlich um seine 
Handlungsweise damit zu entschuldigen, als er die Hoffnung auf—⸗ 
geben mußte, mir wirklich meinen Verstand rauben zu können, ein 
ärztliches Attest ausgefertigt, auf welches hin er mich für wahn— 
finnig erklärte. Dies begründete er auf „Mißtrauen gegen ihre 
eigene Familie und Vertrauen zu unwürdigen Menschen“, (vielleicht 
meine Jungen?) auf den Besitz eines Revolvers und eines weißen 
Pulvers (Reismehl) und auf ein Schriftstück, welches Anmerkungen 
über jene Teile der Offenbarung Johannis enthielt, welche sich 
auf den Antichristen beziehen.“) Er versuchte darzulegen, daß diese 
Hinweise auf den Antichristen Aberglauben seien, den wahnsinnige 
Furcht vor Anarchismus hervorgerufen habe. Wenn ich sage, daß 
ich zu meines Vaters Zeiten Jagdliebhaberin war, und daß meine 
Schwester und ich gewohnt waren Waffen zu tragen sowie zu 
benutzen, wenn ich außerdem erkläre, daß ich nach dem Voran— 
gegangenen leider zu vertrauensvoll gegen meine Verwandten 
gewesen bin, so wird man leicht erkennen, auf welch unsinnigen 
Gründen die Anklage basierte. Es ist in der That eine Aner— 
kennung einer guten Vergangenheit, daß auch gar nichts anderes 
*) Die Anmerkungen über den Antichristen enthielten meist nur Bibel— 
texte aus den Propheten und der Offenb. Johannis, welche ich zusammen— 
gestellt und mit kurzen Bemerkungen zu meinem Gebrauch versehen hatte. 
Wunderbarerweisfe schienen diese Stellen den meisten Ärzten unbekanut zu 
sein, und selbst im Staatsirrenhaus riefen sie Verwunderung hervor, bis 
endlich einer der Ärzte lachend sagte, daß jeder Christ diese Dinge heilig 
hielte und auch er selbst an sie glaubte.
	        
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