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Preface

Full text: Streiflichter aus meinem Leben am deutschen Hofe, unter baltischen Fischern,und Berliner Sozialisten und im Gefängnis, einschließlich "Ein Daheim in der Fremde" / Schimmelmann, Adeline von (Public Domain)

Adeline Gräfin Schimmelmann. 
Gesellschaft bedeuten.“ „Nun wohl,“ war die Antwort, „wenn es 
doch nur zugestanden wird, daß die Gesellschaft keineswegs ideal 
vollkommen ist, und wenn die Veränderung eine freie und selb— 
ständige Schöpfung des Geistes der christlichen Liebe und des 
fröhlichen Gehorsams gegen die in der Lehre Jesu gegebene 
Wahrheit sein soll, so würde diese Friedensumwälzung keineswegs 
ein Unglück sein.“ 
In diese Stellung gelangte Gräfin Schimmelmann nur durch 
schmerzliche Selbstverleugnung und Anstrengung meist auch ohne 
sonst Unterstützung zu finden. Jetzt ergänzt sie zum erstenmale 
auf viele Bitten hin, die frühere Erzählung mit einem Bericht 
mancher Einwirkungen und Ursachen, die sie zu ihrer jetzigen 
Lebensweise führten verbunden mit einer Schilderung der schreck— 
lichen Verfolgung, die sie erduldete um ihres Werkes willen. 
Die Gräfin ist durchaus keine Schwärmerin. Mit einem 
scharfen Verstande, warmer Sympathie und unerschütterlicher Gut— 
mütigkeit hat sie die Sache der Armen, der Unbeachteten, der 
Elenden zu der ihrigen gemacht, und es gelingt ihr dann gegen— 
seitiges Vertrauen zu erwecken. Gegenwärtig studiert sie eifrig die 
soziale Frage auf englischem Boden. Wo irgend Gelegenheit sich 
bietet, verhandelt sie mit Arbeitern oder Arbeiterinnen und freut sich 
über die Freundlichkeit, mit welcher dieselben ihre Fragen beant— 
worten und ihren Rat annehmen. Ganz kürzlich sprach sie in 
einem Koupee 3. Klasse eines Zuges der unterirdischen Eisenbahn 
in London zu einer Gruppe Arbeiter, welche beim Einsteigen sie 
und ihre Begleiter etwas gestoßen und gedrängt hatten. Rasch 
gewann die Gräfin ihr Interesse und ihre Zuneigung. An die 
äͤlteren Leute richtete sie besorgte Fragen und gab einem kräftigen, 
jungen Sozialisten von 19 Jahren guten Rat. Jetzt rief ein 
kleiner, zerlumpter Mann in einer Ecke des Koupee's: 
„Sie sind keine Engländerin, Madame?“ 
„Nein, das bin ich nicht!“ 
„Sind Sie eine Französin?“ 
„Nein, ich bin eine Deutsche — oder eine Dänin.“ 
„Und ich,“ sagte er, indem er aussah, als ob er fühle, daß 
ein gewisses Band der Sympathie zwischen ihnen bestehe, — „ich 
wurde in Holland geboren.“
	        
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