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VI. Die Zeit der Berufsthätigkeit. 1862-1900. Berlin

Full text: Eine Selbstbiographie / Koch, Robert (Public Domain)

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vielen Denkmäler der Kunst vom quatro- und cin- 
quecento, dem glücklichen Zeitalter der Renaissance! 
Wie war ich dem Geschicke dankbar, dass ich all 
das geniessen durfte! Selbst ein arger Sturz in 
Neapel und eine in Rom acquirirte lästige Dysenterie 
dämpften meine Begeisterung nicht. 
Aber nun zurück zu dem arbeitsreichen Leben 
in Berlin! 
Von Jahr zu Jahr bekam ich als Arzt mehr zu 
thun und auch Eintritt in die „besseren“ Familien. 
Mehr als heute war damals bei diesen die Bestellung 
eines Hausarztes gegen ein vorher verabredetes oder 
am Ende des Jahres nach ortsüblichen Sätzen still- 
schweigend zugestelltes Honorar üblich. Dies war 
eine gute Einrichtung und brachte ein angenehmes 
Verhältniss zwischen der Familie und ihrem Doctor. 
Letzterer machte von Zeit zu Zeit, auch wenn nichts 
vorfiel, seine Besuche, wurde Freund und Berather 
des Hauses, gewann gemüthliches Interesse am Er- 
gehen der Familie, erkannte darum entstehende 
Leiden leichter, vermochte sie im Keime zu ersticken 
oder ihnen vorzubeugen und — brauchte nicht um 
den Preis seiner Arbeit zu feilschen. 
Heute ist dieses zweckmässige Institut durch das 
emporgewucherte Specialistenthum sehr verdrängt. 
Auch reiche Leute suchen sich von einem Krankheits- 
fall zum andern einen Special-Arzt. Dadurch musste 
das Verhältniss zwischen dem Arzt und seinen Pati- 
anten, zu der letzteren Schaden, aus einem freund- 
schaftlichen mehr zu einem geschäftlichen werden. 
Unzweifelhaft hat das Specialisiren auch in der immer 
umfangreicher gewordenen Heilkunde seine grosse 
Berechtigung; auf seinem eng begrenzten Felde kann
	        
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