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II. Meine Spielzeit. 1837-1843. Jena

Full text: Eine Selbstbiographie / Koch, Robert (Public Domain)

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IL 
Meine ‚Spielzeit. 
1837—1843. 
Jena. 
1837, am 30. Januar, bin ich geboren, als ein 
kräftiger Junge, der mit lebhaftem Geschrei die Welt 
begrüsste. Da Mutter zu‘ schwächlich: war, selbst 
mich zu nähren, so bekam ich eine Amme, ’ein gutes 
dummes Bauernmädchen, die mich aber sehr lieb 
gehabt haben muss, denn als ich einmal, auf ihrem 
Arme sitzend, ihr den Reissbrei verwässerte, liess 
sie sich dadurch im Geniessen nicht stören: „Es 
macht nichts, es ist ja von meinem Robertchen!“ — 
Gar eigenthümlich ist's, dass sich dem Gedächt- 
niss aus der ersten Kindheit Scenen einprägen und 
in Erinnerung bis ins hohe Alter bleiben, die zum 
Theil nicht wichtig und’ wirkungsvoll sind. So 
glaube ich noch, und zwar so deutlich, dass ich’s 
malen könnte, das Bild vor mir zu sehen, wie ich, 
die ersten Schritte machend, der darüber froh auf- 
jauchzenden Mutter in den Schooss lief, ferner wie 
unser schwachsinnig gewordener Hund Nette hinter 
dem Stuhl, auf dem meine Schwester Garn abwickelte, 
hervorgezogen und dem Schinder übergeben wurde, 
dann wie bei einem nächtlichen Gewitter ein greller 
Blitz unser Kinderschlafzimmer erhellte u. s. w. 
Den Schauplatz meiner ersten Thätigkeit bildete 
unser geräumiges Haus am oberen Löbdergraben, 
das Vater für s000 Thaler nicht lange vor meiner
	        
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