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I. Ahnen und Eltern. Weimar - Jena

Full text: Eine Selbstbiographie / Koch, Robert (Public Domain)

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Wilhelm zeugte mit seinen zwei Frauen eine statt- 
liche Anzahl Kinder, von denen Richard und Erwin (aus 
zweiter Ehe) mir Altersgenossen und Spielkameraden 
waren. Wir kleinen Burschen ärgerten meinen 
Zuten Onkel Wilhelm manchmal schwer dadurch, 
dass wir uns in die Vorrathsräume des Geschäfts 
einschlichen und da von den Feigen, Rosinen und 
anderen begehrenswerthen Dingen naschten. Ein- 
mal aber — das Ereigniss steht mir noch lebhaft in 
Erinnerung — wurden wir dabei abgefasst. Wir 
pflegten nämlich, sobald wir einen der Commis die 
Treppe heraufkommen hörten, am Zugseil, das 
Mmittelst Luken durch alle Etagen ging, schnell 
herunterzurutschen und so zu entkommen. Das 
war wohl ruchbar geworden und so wurden wir 
an diesem unheilvollen Tage von einem Aufpasser 
unten am Seile abgefasst, der unter unseren 
Schürzchen verborgenen Leckereien entledigt und 
gebührend abgestraft, 
Anderer gefährlicherer Unfug war, dass wir auch 
Schiesspulver aus den Vorräthen entwendeten und 
damit im Berggarten experimentirten. Ich erinnere 
mich, wie ich dort einmal einen feuerspeienden Berg, 
der nicht explodiren wollte, anblies und nun die 
ganze Ladung ins Gesicht bekam. Die Augen 
blieben glücklicherweise unversehrt, aber Augen- 
brauen und Wimpern waren total versengt und so 
gab’s auch dafür zu Hause die wohlverdiente Strafe. 
Später setzte sich Onkel Wilhelm zur Ruhe, 
bezog sein hübsches Gartengrundstück am Paradiese 
(jetzt im Besitze seines Sohnes Erwin) und pflegte 
seine Blumen. In diesem Hause und Garten habe 
ich mit den Vettern manche Stunde froh verbracht.
	        
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