Path:
III. Gedichte

Full text: Neue Kunde zu Heinrich von Kleist / Steig, Reinhold (Public Domain)

66 
Wirklichkeit setzte. „Auf den Wolf, soviel ich weiß, ist 
ein Preis gesetzet.“ Gerade in dem Zwischensatze „so— 
viel ich weiß“ drückt sich Kleist's starkes Realitäts— 
bedürfniß aus. In der Herrmannsschlacht V. 112 sagt 
der Kattenfürst: 
Ein Auerochs ist keine Katze, 
Und geht, so viel bekannt mir, auf die Wipfel 
Der Pinien und Eichen nicht. 
Man sieht daraus, was „so viel bekannt mir“ oder „so 
viel ich weiß“ bedeuten muß. Für Dresden-Sachsen 
aber, für Oestreich, für die Deutschen im „Reiche“ (da— 
maligen Sinnes) kam der Wolf als noch freies, jagd— 
bares Wild kaum mehr in Betracht. Dagegen in die 
östlichen Theile der Mark, wo Kleist herwar, wechselte 
damals häufiger und wechselt heute noch bisweilen im 
harten hungrigen Winter der Wolf aus den ehemals 
polnischen Landestheilen herüber. Ein Schußgeld ist 
heute noch, wie damals, auf den Wolf gesetzt. Kleist 
spricht also wieder als Märker hier: als Märker zu 
allen seinen Deutschen. 
Nun beobachten wir, bevor dies von Kleist selbst 
niemals gedruckte Gedicht in die späteren Sammlungen 
seiner Schriften überging, eine dreifache, innerlich stets 
von einander verschiedene Entwicklung desselben. 
Kleist sagt Zottelbär, Pantherthier, Wolf, Fuchs, 
auch noch Aar und Geier, im Singular, meint aber in 
collectivem Sinne alle Bären, alle Wölfe, alle Füchse ꝛc. 
Nur bei den Schlangen, Ottern, Drachen, wo uns in der 
That das Gefühl für die Bedeutung des Einzelthieres 
mangelt, verwendet er den Plural, der hier nöthig ist. 
Also auch „der Franzmann“ bedeutet „alle Franzosen“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.