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V. Ueber Kleist nach dem Tode und den Druck der hinterlassenen Schriften

Full text: Neue Kunde zu Heinrich von Kleist / Steig, Reinhold (Public Domain)

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Am 21. Januar 1820 aber berichtete er wieder: „Neues 
nicht viel: Kleist (es ist mir als ob Dir der 
Prinz nicht gefallen) ist wieder liegen geblieben, und 
wird dagegen die Genoveva, wonach kein Mensch begehrt, 
wenig verändert, viel gestrichen, groß Oktav gedruckt.“ 
Worauf nun beide Brüder am 27. Februar 1820 ant— 
worteten, Wilhelm: „Ich danke Dir für den Prinz von 
Homburg, das Stück hat mir viel Vergnügen gemacht, 
es ist sehr trefflich aber die darauf verwendete Arbeit 
und Mühe fühlt man doch“ (ogl. Kleist's Berliner Kämpfe 
S. 451); Jacob: „Der Prinz von Homburg hat mir ge— 
fallen, doch ist es von einem Verfasser, dessen Sachen 
alle gut sind, nicht das wichtigste Werk. Das folgende 
Stück aus der Hermannischen Zeit wird mir vielleicht 
weniger zusagen.“ Am 6. März 1820 Ferdinand: 
„Ich schicke die Fortsetzung von Kleist.“ Später sodann 
undatirt: „Den Schluß von Kleist werdet Ihr gern lesen, 
wie auch die Vorrede, doch könnte sie reicher sein und 
weniger flüchtig die Kritik; hübsch noch ist Solgers Brief.“ 
All das bezieht sich auf die kleinen Sachen am Schlusse 
der Hinterlassenen Schriften und Ludwig Tieck's Vorrede. 
Die Worte „sie könnte reicher sein“ nehme ich als Ur— 
theil derer, die in Berlin die Personen und Dinge aus 
eigenem Miterleben kannten, nicht als Ferdinand's eignes, 
der, indem er noch hinzufügt: „Wenn ich an seinem ver— 
witterten Grabhügel vorbeigehe, so thut er mir allemal 
leid, der Arme, den schändliche Verwandtenbehandlung 
dahin brachte mit dem Herzen voll rechter Vaterlands⸗ 
liebe; er soll nicht schön gewesen sein“ — natürlich auch 
nur, was so in Berlin erzählt wurde, nacherzählte. Die 
schändliche Verwandtenbehandlung, an die man also
	        
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