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Briefwechsel zwischen Schiller und Wilhelm von Humboldt

Full text: Briefwechsel / Schiller, Friedrich (Public Domain)

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18. Januar 1793. 
auch die vorgetragnen Ideen interessiren, und je günstiger ich 
sogar von meiner Arbeit urtheile, desto weniger könnte ich mir 
die Nachlässigkeit verzeihen, ihr nicht diese lezte Sorgfalt geweiht 
zu haben. Für jezt aber und die nächsten Monate habe ich 
nicht allein ganz heterogene Beschäftigungen, sondern es fehlt s 
mir auch theils an Stimmung, theils sogar an einigen Büchern, 
um an diese Revision zu gehen. Ueber Einiges möchte ich sogar 
durch Gespräch meine Ideen erst klärer machen können. Alles 
dieß hat mich nun zu dem festen Entschluß gebracht, die Heraus— 
zabe, wenn es noch möglich ist, aufzuschieben, und zwar auf 10 
unbestimmte Zeit, da, wie lang oder kurz eine bestimmte 
sein möchte, alles Gebundensein in dergleichen Dingen so un— 
angenehm ist. 
Ich kann aus der guten Karoline Brief nicht sehen, in 
wiefern Sie, mein Theurer, schon sichre Abrede getroffen haben. 18 
Haben Sie aber mit dem Buchhändler noch nicht abgeschlossen, 
und können Sie noch zurükgehn; so bitte ich Sie, ihm zu schreiben, 
daß der Entschluß über die Zeit der Herausgabe der Schrift 
geändert sei, daß also jezt keine weitre sichre Abrede genommen 
werden könne, daß ich aber, wenn ich mit den noch vorzu— 20 
nehmenden Aenderungen fertig wäre, mich an ihn abermals 
wenden, und bei ihm anfragen würde. Wahrscheinlich würde 
er doch bei einer zweiten Anfrage gleich geneigt sein, und wäre 
ers nicht, so ist vielleicht dann Göschen frei, oder ich finde einen 
andern. 
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Haben Sie aber schon mit ihm abgeschlossen, und wäre 
es nicht zu ändern, welches mir freilich sehr unlieb wäre, so 
müßte ich Sie doch bitten, mit ihm die Abrede zu treffen, daß 
das Buch erst Ostern 94. oder frühstens Michaelis des Jahres 
erschiene. Dieß wäre mein kürzester Termin und er gewänne s30 
ja auch durch die auf seinen Verlagsartikel gewandte Zeit. 
Indeß wäre mir das Erste immer bei weitem das Liebste. 
Das deutlicher geschriebne Manuskript, Lieber, habe ich 
gerade verliehen. Indeß ist es ja auch nun, nach meinem 
jezigen Entschluß, nicht nöthig. Denn zum Druk wäre es ja 35 
noch viel zu früh; und sollte er es nur sehen, um sich erst fest
	        
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