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Briefwechsel zwischen Schiller und Wilhelm von Humboldt

Full text: Briefwechsel / Schiller, Friedrich (Public Domain)

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2. 21. März 1796. 
möglichst inseriren zu lassen. Er ist besser als je sonst für 
wichtige Arbeiten in seinem Fache gestimmt, und ob mich seine 
Anwesenheit gleich sehr in meiner assiette und meinen Stu— 
— D 
noch fremden oder nur halb bekannten Ideen gewesen, was mir 5 
bei meinem Streben nach einem gewissen Umfang der Kennt— 
nisse nicht gleichgültig ist. Auch unser freundschaftliches Ver— 
hältniß hat sich enger, als je bisher geschlossen. 
Er und die Li grüßen Sie und Lolo herzlich. Leben Sie 
recht wohl und heiter in diesem schönen Frühlingswetter. Von 1o0 
Herzen 
Ihr 
Humboldt. 
59. Schiller an Humboldt. 
Jena 21. März. 96. 15 
Mein letzter Brief hat Ihnen nun schon gemeldet, liebster 
Freund, daß vor der Hand weder an Stanzen, noch an etwas 
Episches bey mir zu denken ist. Ich kann also von Ihren Be— 
merkungen über den eigentlichen rechten Gebrauch gereimter 
SilbenMaaße sobald keinen Gebrauch für mich selbst machen, 20 
obgleich ich Ihren Ideen, im Ganzen, beypflichte. Nur däucht 
mir, erklären Sie Sich zu sehr aus dem innern Wesen, was 
oft nur zufällig ist. So glaube ich daß der Reim seinen Ur— 
sprung einer Sprache zu danken hat, die viele Wörter mit 
gleichen Endungen besitzt, und daß theils dieses theils die Be— 28 
quemlichkeit fuür das Gedächtniß ihn einführte. Daß sich der 
Reim sehr gut mit naiven Dichtungen vertrage lehrt gerade doch 
sein Ursprung; denn die Italienischen Dichter, die Minnesänger 
und Troubadours und dergleichen, obgleich sie den Alten an 
Werth nicht beikommen, gehören doch mehr in die Classe der s30 
naiven, als der sentimentalischen Dichtung. Dann ist auch ferner 
nicht zu läugnen, daß der Reim in den fröhlichen und scherz— 
haften Gattungen sich mit der größten Naivetaet des dichterischen 
Gefühls verträgt; ich will hier nur la Fontaines Erzählungen
	        
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