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Briefwechsel zwischen Schiller und Wilhelm von Humboldt

Full text: Briefwechsel / Schiller, Friedrich (Public Domain)

3. September 1795. 
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dieß ist nicht genug. Alle Briefe, die an Michaelis einlaufen, 
hält er zurück und schreibt Michaelis immer, daß nichts an— 
gekommen sey. Michaelis hat mir selbst Briefe von Niethammer 
und Göpfert vom Junius gezeigt, die noch unerbrochen sind. 
Ebenso behält er auch alle Briefe zurück, die Michaelis ihm zur 
weitern Besorgung übermacht. So hat Michaelis namentlich 
indeß an Sie und Unger geschrieben. Solange nun Michaelis 
abwesend war, wußte er von diesem allem kein Wort, glaubte, 
daß das Geld abgegangen sey, daß Sie alle seine Briefe hätten, 
und daß Sie ihm Antwort schuldig wären. Dieß Letztere will 
er auch gegen Schlegel in Braunschweig geäußert haben. Wie 
er zurückkommt sieht und erfährt er nun alles, und ist jetzt in 
der größesten Verlegenheit, ob er gleich seinen Geldschaden ziem⸗ 
lich gedeckt hat. Daß alles sich buchstäblich so verhält, weiß ich 
auf eine Art, die in mir den kleinsten Zweifel entfernt. Ihnen 
die Gründe meines Glaubens anzugeben, würde mich zu weit 
führen. Er selbst wird Ihnen heute schreiben. 
Dieser Umstände ungeachtet, habe ich dennoch Ihre Auf⸗ 
träge pünktlich erfüllt. Er will den Almanach auch für dieß 
Jahr behalten, und hat mit Unger seinen Contract geschlossen. 
Mir hat er eine Anweisung auf 55 Friedrichsd'or an Fried⸗ 
länder gegeben, die dieser acceptiren wird, wie er mir selbst 
gesagt hat, und die ich eben zur acceptation an ihn schicke. 
Die Exemplarien hat er mir nicht unmittelbar einhändigen können. 
Er hat nemlich 12 Exemplare auf Holländischem Papier ein⸗ 
gepackt und eben jenem Betrüger zu besorgen aufgegeben. Dieß 
ist nun nicht geschehn, und er hat das Paket noch nicht auf— 
finden können, wird aber, wie er verspricht, auch dieß binnen 
8 Tagen besorgen. Da der Mensch so in der That zu beklagen 
ist, so mochte ich deshalb nicht Weitläuftigkeiten machen, und 
habe ihm nun den Almanach eingehändigt. 
Was nun diesen betrifft, so hätte Unger so am nächsten 
Sonnabend (13en) nicht anfangen können, wie sich jetzt aus⸗ 
weist, und da nun auch noch nicht Ihr Brief und Ihre Ent— 
scheidung über die Schriftproben eingekommen ist, so warte ich 
noch bis Montag (150n) mit dem Druck. Käme auch nächsten 
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