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Briefwechsel zwischen Schiller und Wilhelm von Humboldt

Full text: Briefwechsel / Schiller, Friedrich (Public Domain)

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31. August 1795. 
dem Einrücken dieses Stücks noch warten. Indeß kann ich mich 
noch nicht entschließen, es von der Spitze wegzunehmen, und 
gegen die mystische Parthenope (die gar nicht so sehr meine 
Liebschaft ist) auszutauschen; und Sie müssen mir dießmal meinen 
Ungehorsam schon nachsehen. Es ist wirklich weder Grille, noch s 
bloße Vorliebe für dieß Stück. Schon sein Gegenstand führt 
es natürlich an die Spitze, und da jeder doch, eh' er blättert, 
das erste Stück liest, so ists gar nicht gleichgültig. Ich werde 
daher, wenn es möglich ist (sonst folge ich Ihrem Auftrag), mit 
dem Bogen B. anfangen lassen. Da alles arrangirt ist und 10 
seyn muß, so wird das wohl füglich angehn. Indeß ersuche ich 
Sie doch um baldige Nachricht, ob es so bleiben soll, oder wie 
ich ändern soll? 
Aber dieß arrangement, lieber Freund, macht mir, seit der 
Absendung der Schriftproben an Sie, großen Kummer. Nach- 15 
dem ich nun einen anschaulicheren Begriff des Formats habe, 
und damit Ihre Einrichtung vergleiche, so glaube ich zu finden, 
daß Sie an mehreren Stellen zu viel auf eine Seite gebracht 
haben. Die Parthenope führte ich schon neulich an. So sind 
auch die 3 letzten Strophen des Erlachs (24 Zeilen und 2 Inter- 20 
balle) auf Eine Seite, vom Tanz 12 Verse (24. Zeilen) und so 
24 Zeilen öfter. Dieß wird schwerlich angehn. Was mich nun 
eigentlich in Verlegenheit setzt, ist daß ich auf der einen Seite, 
da Sie dieß arrangement mit Mühe gemacht, und mir, darauf 
zu wachen, aufgetragen haben, Ihren Auftrag nicht überschreiten, 28 
auf der andern Seite aber doch auch nicht den Almanach durch 
eine alberne Pünktlichkeit (die mir bloß die Sache bequem macht) 
entstellen wollte. Da doch das Letztere Ihnen auch gewiß der 
wichtigere Gesichtspunkt ist, so werde ich, um nicht während des 
Drucks aufgehalten zu werden, in diesen Tagen mit dem Manu— so 
seript nach Berlin gehn, und eine Berathschlagung mit Unger, 
der so etwas gewiß versteht, veranstalten, und da denke ich, soll 
es doch noch ganz möglich seyn, Ihre Ordnung, wenn auch nicht 
wie ich in der That nicht glaube) Ihre Seitenzahl beizubehalten. 
Denn 1.) werden manche Gedichte, wenn ich sie weiter aus s8 
einander drucken lasse, doch gerade mit einer Seite schließen.
	        
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