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Bekenntnisse II. Aus der Werkstatt 3. Mein Verhältnis zum Theater

Full text: Jugenderinnerungen und Bekenntnisse / Heyse, Paul (Public Domain)

3. Mein Verhältniß zum Theater. 
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viel daran gelegen sein, ein neues spielbares Stück zu gewinnen, 
wie dem Autor, es zur Aufführung zu bringen. Ein großer 
Irrthum! Sind doch die Theaterdirectionen von erfolghungrigen 
Dramatikern dermaßen überlaufen, daß sie Noth haben, sich des 
Andrangs zu erwehren, und sich gern umworben hen mögen, 
statt Diejenigen heranzuwinken, die sich „stolzbescheiden in der 
Ferne halten. Zudem hat sich die Vorherrschaft Berlins auf 
dem Gebiet des Theaters in den letzten Jahrzehnten immer ver— 
hängnißvoller geltend gemacht. Die Theater im übrigen deutschen 
Reich pflegen sich der eigenen Wahl eines neuen Stückes zu 
überheben und abzuwarten, was man von Erfolgen und Miß— 
erfolgen aus der Reichshauptstadt zu hören bekommt. Ein 
dramaturgischer Sieg auf einer der anderen größeren Bühnen 
im Reich hat selten einen Einfluß auf das fernere Schicksal des 
betreffenden Stückes, nicht viel anders, als wenn es nur auf 
einem Privattheater sich bewährt hätte. 
Nun lagen die Zeiten schon fern, wo ich nicht nur im König⸗ 
lichen Schauspielhause, sondern auch im Deutschen und Lessing⸗ 
theater ein erfreuliches Gastrecht genossen hatte und u. A. auf 
der Königlichen Bühne die Weisheit Salomo's in Einem Sommer 
fünfzig Mal aufgeführt worden war. Ein neuer Pharao war 
gekommen, der von Joseph nichts wußte, und die neue Zeit hatte 
keinen neuen Menschen aus mir gemacht. 
Vor Allem hatte ich nicht gelernt, für meine Stücke, so viel 
Sorge zu tragen, wie ein guter Vater für seine Kinder zu thun 
pflegt, wenn er sie in die Welt hinausschickt. 
Zwar nicht eins von ihnen habe ich seinem Bühnenschicksal über⸗ 
liefert, ohne es wenigstens bei Einem Theater in den Proben, 
so wenige uns deutschen Dramatikern bewilligt zu werden pflegen, 
scharf darauf anzusehen, ob mein scenischer Caleul überall das 
Rechte getroffen, die dichterische Intention voll herausgekommen 
sei. Bei Schauspielern und Regisseuren fand ich stets das willigfte 
Entgegenkommen, sobald sie merkten, daß sie es nicht mit „so 
einem Dichter“ zu thun hatten, der unpraktische literarische An— 
sprüche machte, sondern mit einem der „vom Bau war“ und mit
	        
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