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Bekenntnisse II. Aus der Werkstatt 2. Meine Novellistik

Full text: Jugenderinnerungen und Bekenntnisse / Heyse, Paul (Public Domain)

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II. Aus der Werkstatt. 
mancherlei Abenteuer besteht, um endlich in der Fremde zu ver— 
derben und zu sterben. Alles Einzelne ist mir bis auf die letzte 
Spur aus dem Gedächtniß entschwunden, wie ich denn überhaupt 
die glückliche Gabe besitze, meine novellistischen Erfindungen fast 
alle bis auf die Themata und wenige Details, bald nachdem sie 
geschrieben sind, wieder zu vergessen. Ohne diese Fähigkeit — 
wie überladen wäre mein Gehirn mit Bildern und Geschichten, 
da die Zahl meiner Novellen in den langen Jahren so ungeheuer—⸗ 
lich angewachsen ist! Und da es mir widerstrebt, eines meiner 
alten Bücher je wieder anzusehen, wird auch der dunkle Abgrund, 
in den meine eigene Production vor meiner Erinnerung versinkt, 
immer bodenloser. 
Von jener Novelle nun weiß ich nur, daß sie meines Vaters 
Beifall gefunden haben muß, da er eine saubere Abschrift davon 
machen ließ, um sie dem uns befreundeten trefflichen Maler 
Eduard Magnus zu schenken, als eine kleine Gegengabe für das 
Bildniß, das er, ehe ich nach Bonn ging, von mir gemalt hatte. 
Mein Manuscript habe ich nach der Rückkehr zur Berliner 
Universität mit anderen Jugendsünden „gewogen und zu leicht 
befunden“ und Vincenz und Veilchen der guten Luise nachgeschickt. 
Hoffentlich hat auch die Abschrift das gleiche verdiente Schicksal 
ereilt. 
Ich blieb nun eine Weile von novellistischen Anwandlungen 
frei, da ich durch meine in Bonn verfaßte „Francesca von Rimini“ 
erkannt zu haben glaubte, daß ich zum Dramatiker berufen 
sei. Erst eine im „Tunnel“ ausgeschriebene Concurrenz regte 
mich dazu an, meine romanischen Studien zu der Novelle „Marion“ 
zu verwerthen, über die ich in meinen „Jugenderinnerungen“ 
berichtet habe. Ich hatte in dieser kleinen Arbeit die sentimen⸗ 
talen novellistischen Kinderschuhe abgestreift und suchte mir auch 
sonst meine eigenen Wege, auf denen ich weder rechts noch links 
blickend fortschritt.. Im Frühling 1853, zu Sorrent, entstand 
dann die „Arrabbiata“, zu der mir, wie ich früher berichtet habe,
	        
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