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Full text: Jugenderinnerungen und Bekenntnisse / Heyse, Paul (Public Domain)

Nachklänge. 
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Person sich vereinigt fänden, sah ich einen argwöhnischen Zug 
über das edle junge Antlitz gleiten. Ob er mich im Verdacht 
hatte, mich selbst zu dieser damals noch immer unzulänglich aus⸗ 
gefüllten Stelle empfehlen zu wollen? Es wäre das nicht eben 
ein Beweis für die ihm nachgerühmte Menschenbeurtheilung ge— 
wesen, da mir mein Lebenlang nichts ferner gelegen, als der 
Wunsch, Dingelstedts Erbschaft anzutreten. 
Der leichte Schatten schwand aber wieder, und ich wurde 
huldvoll entlafsen, doch ohne daß ein weiterer persönlicher Ver⸗ 
kehr in Aussicht gestellt worden wäre. 
Als dann aber vier Jahre später das bekannte Ereigniß 
eintrat, das Cabinetsschreiben König Ludwig's II. durch das er 
Geibel seine Pension entzog, weil der alte Kaiserherold König 
Wilhelm bei dessen Besuch in Lübeck mit dem Wunsch begrüßt 
hatte, 
Daß noch dereinst dein Auge sieht, 
Wie übers Reich ununterbrochen 
Vom Fels zum Meer dein Adler zieht — 
war es auch mir unmöglich, fernerhin ein königliches Gnaden⸗ 
gehalt anzunehmen, an das die Bedingung geknüpft gewesen wäre, 
meine politische Ueberzeugung, wenn sie mit der des Königs nicht 
im Einklang war, zurückzuhalten, nachdem ich sie in all den Jahren, 
da ich seinem heimgegangenen Vater nahe gestanden, nie zu ver—⸗ 
leugnen gehabt hatte. 
Auf die Eingabe, in der ich mit ehrerbietigem Dank für das 
bisher Gewährte meinen Verzicht ausgesprochen hatte, erhielt ich 
erst spät eine gewundene Antwort in einem Cabinetsschreiben, 
das deutlich erkennen ließ, der König hatte die Motive, die 
meine Handlungsweise bedingt, kaum begriffen und war aufs 
Schwerste gegen mich erzürnt. Doch schien sein Unwille bald zu 
schwinden. Für einige meiner Bücher, die ich später, da ihr 
Gegenstand seine Interessen berührte, ihm überreichen zu lasfen 
schicklich fand, ließ er mich seines freundlichsten Dankes versichern. 
Einmal kam sogar die Anfrage Sr. Majestät an mich, warum 
ich meinen Roman in Versen „Schlechte Gesellschaft“ nicht fort—
	        
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