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Full text: Jugenderinnerungen und Bekenntnisse / Heyse, Paul (Public Domain)

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V. König Max und das alte München. 
keit es dazu hätte kommen lassen. Doch zu Allem, was an 
Mißwollen, Neid und Fremdenhaß sonst noch in der Bevölke— 
rung gährte, gesellte fich diesmal noch der Groll der clericalen 
Partei, die ich durch das — streng geschichtliche — Verhalten 
Kaiser Ludwig's gegenüber dem päpstlichen Legaten schwer ge— 
reizt hatte. Am nächsten Morgen erschienen Abgesandte dieser 
ultramontanen Kreise an der Theaterkasse und erklärten, das 
Stück werde ausgepfiffen werden und einen großen Scandal ver⸗ 
anlassen, wenn man es nur noch einmal zu wiederholen wage. 
Daß der Intendanzrath Schmitt diese Drohung gern zum 
Vorwand nahm, das Stück sofort abzufetzen und es für ewige 
Zeiten in der Theaterbibliothek zu begraben, konnte mich nicht 
wundern. Der König, dem ich darüber schrieb, antwortete mir 
huldvoll in alter Weise, doch ohne zu befehlen, daß das Stück 
fortgespielt werden sollte. 
Seine Stimmung dieser von ihm so lebhaft gewünschten 
Dichtung gegenüber wurde mir erst klar, als ich im Februar des 
nächsten Jahres im Symposion den ersten Akt vorlas. 
Ich hatte mich bemüht, das Charakterbild meines Helden 
nicht in höfischer Verschönerung zu zeichnen, es jedoch, wie sich's 
mir aus dem Studium der Quellen ergeben hatte, immer noch 
mit so viel gewinnenden Zügen ausgestattet, in seiner einfachen 
Würde so ehrfurchtgebietend, daß selbst das eingeborene patrio⸗— 
tische Gefühl eines echten Bayern damit zufrieden sein konnte. 
Nun aber hatte der König wohl eine Verherrlichung seines 
Ahnherrn erwartet, die von Anfang an die stärksten Töne an⸗ 
stimmte. Wie mußte er sich enttäuscht fühlen, als Leopold von 
Oesterreich, allerdings der erbittertste Feind seines Wittelsbacher 
Vetters, in die heftigen Worte gegen seinen Bruder ausbrach: 
Es steht der Schimpf!) 
Auf ewig zwischen euch. Jetzt kennst du ihn, 
Wie alle Welt ihn kennt, verschlagen, sacht 
Zugreifend, wo ein Bettlerbrocken abfällt 
Vom Tisch des Reichs, mit jedem Winde segelnd, 
1) Der verlorenen Schlacht bei Gammelsdorf.
	        
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