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Full text: Jugenderinnerungen und Bekenntnisse / Heyse, Paul (Public Domain)

260 V. König Mar und das alte München. 
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es denn doch für weiser, abzusteigen und mein Pferd einem der 
Lakaien zu überlassen. 
Am Abend erzählte mir die Gräfin Fugger, auf ihre Be— 
merkung, ich scheine ein ganz flotter Reiter zu sein, habe die 
Königin, die ein scharfes Auge hatte, lächelnd erwidert: Mein 
elegantes Salutiren sei ihr sehr unfreiwillig vorgekommen. 
In der Erinnerung an diesen Vorfall hatte man mir in der 
Pfalz einen hochbetagten Schimmel ausgesucht, der an Sanftmuth 
und Rücksicht auf einen Dichter, dessen ritterliche Erziehung ver— 
nachlässigt worden war, Gellert's berühmtem Pferde nichts nach— 
gab. Nur einmal wurde auch dieser zuverlässige Freund aus 
seinem Gleichmuth aufgeschreckt, als wir in Edenkoben einzogen 
und Böller, Musik und Glockenläuten uns tumultuarisch em— 
pfingen. Es glückte mir jedoch, der ich zufällig ganz vorn zur 
Linken des Königs ritt, vor der tausendäugigen Menge zu ver—⸗ 
bergen, daß ich die Bewahrung meines Gleichgewichts einem ver⸗ 
stohlenen Festhalten am Sattelknopf verdankte. 
Lange Spagziergänge mit von der Tann, der damals am 
Halse litt und seine Sorge äußerte, durch dieses Uebel vielleicht 
in Zukunft am Commandiren im Felde verhindert zu werden, 
weitere Ausflüge nach Speier, Worms und sogar bis Heidelberg 
ließen mich in diesen vier Wochen die schöne Pfalz nach allen 
Richtungen kennen lernen. Die architektonischen Gespräche gingen 
nebenher, Abends nach dem Souper hatte ich vorzulesen und 
war oft in Verlegenheit, etwas Passendes zu finden. Ich ent—⸗ 
sinne mich nur des „Letzten Savelli“ von Rumohr, Hofmann's 
„Fräulein von Scudery“, Goethe's „Neuer Melusine“ und dieser 
und jener eigenen Novelle. Am Tage hatte ich allerlei Arbeit für den 
König, der mich beauftragte, ein Rundschreiben an die bedeutendsten 
deutschen Architekten zu verfassen, um sie zu einer Aeußerung über 
die Möglichkeit eines neuen Baustils aufzufordern. Noch immer 
war er über diesen Punkt nicht völlig ins Reine gekommen. 
Umsonst hatte ich eingewendet, daß ein Künstler, je talent⸗ 
voller er sei, desto ausschließlicher zu schaffen, nicht theoretisch
	        
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