Path:
Jugenderinnerungen V. König Max und das alte München (1854-1864) Das alte und das neue literarische München

Full text: Jugenderinnerungen und Bekenntnisse / Heyse, Paul (Public Domain)

188 V. König Max und das alte München. 
Peine an der Fuse geborenen Bodenstedt und gar dem Schreiber 
dieser Zeilen, dem es als ein unvertilgbarer Makel anhaftete, 
mit Spreewasser getauft worden zu sein? 
Gewiß wäre Niemand froher gewesen als Geibel, wenn er 
unter den genannten einheimischen Poeten Den oder Jenen dem 
Könige zur Aufnahme in seinen engeren Kreis hätte empfehlen 
können. Wie weit entfernt er von jeder principiellen 
Geringschätzung der süddeutschen Talente war, hat er zunächst 
durch die liebevolle Sorgfalt bewiesen, mit der er Hermann 
Lingg's Gedichte herausgab, in der Vorrede auf ihn als einen 
„Ebenbürtigen“ hinweisend, und späterhin durch das freundschaft⸗ 
liche Verhältniß mit dem Münchener Hans Hopfen, dem 
Schweizer Leuthold und dem Schwaben Wilhelm Hertz. Er 
war es auch, der Lingg und später Melchior Meyr eine Jahres— 
pension beim König erwirkte, wie er denn überhaupt auch in 
materieller Fürsorge für Dichter, die er anerkannte, unermüdlich 
war, nicht nur durch sein Fürwort beim Könige (das auch Otto 
Ludwig zu Gute kam), sondern in großherzigster Weise aus 
seiner eigenen Tasche. 
Wenn er sich gleichwohl den damaligen Poeten Münchens 
gegenüber zurückhaltend bewies, so geschah es ohne alle persön⸗— 
lichen Motive, aus dem Grunde, weil er Keinen darunter für 
voll nahm. 
Daß er ein gutes Recht dazu hatte, hat einer der talent⸗ 
vollsten jüngeren Münchener Dichter offen ausgesprochen, Max 
Haushofer in dem trefflichen, durch feines Urtheil und gerechte 
Vertheilung von Licht und Schatten ausgezeichneten Essay „Die 
literarische Blüte Münchens unter König Max II.“, aus dem 
oben schon eine bezeichnende Stelle angeführt worden ist). 
„Den vormärzlichen Dichtern Münchens gebrach es nicht an 
Talent, aber an der Energie des Strebens. Süddeutsche Ge— 
müthlichkeit ging ihnen über jeden Erfolg. Vormittags beim 
Bockfrühschoppen im „Achazgarten“ zu sitzen, den Nachmittag in 
i) Beilage zur „Allgemeinen Zeitung“, 15. und 16. Februar 1898.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.