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Jugenderinnerungen IV. Ein Jahr in Italien

Full text: Jugenderinnerungen und Bekenntnisse / Heyse, Paul (Public Domain)

IV. Ein Jahr in Italien. 
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mahl einer dicken Kaffeewirthin in seinem Hause Herberge gab 
und mir und Vtto sein eigenes Ehebett abtrat, während der 
Onkel mit einem Lager auf einem Sofa vorlieb nahm. Die 
Nichte der Padrona, ein feines, schnippisches Ding, sorgte für 
unsere frugale Cena, während die ihre nur aus rohem Salat ohne 
Oel und die ihrer Magd aus gekochten Seeschnecken bestand. Um 
sie zu essen, zog sie eine Nadel aus ihrem sehr unfristerten Haar 
und holte damit die einzelnen frutti di mare aus ihren Häuschen. 
Auch im Uebrigen war dieses malerische Strandnest von aller 
modernen Cultur noch unangekränkelt. Auf unsere Frage nach einer 
gewissen Bequemlichkeit wurde uns achselzuckend, aber wie selbst⸗ 
verständlich erwidert: Si fa in strada. 
Nach wohldurchfrorener Nacht wendeten wir den hellen Tag 
dazu an, Porto d'Anzio in seinem päpstlichen Glanze zu be— 
trachten, und landeten Abends wieder in Albano. Onkel fühlte 
fich matt und ging zu Bette, bestand aber darauf, sich die „Ar— 
rabbiata“ vorlesen zu lassen. 
Am andern Morgen war er vor Thau und Tage plötzlich 
verschwunden und nach Rom zurückgekehrt. Wir Beide schickten 
unser Gepäck nach Frascati voraus und genossen die nächsten 
Tage auf einer Leib und Seele erquickenden Wanderung durch 
Ariccia, Genzano, um den Monte Cavo herum nach Rocca di 
Papa und Grotta Ferrata, bis wir durch die herrliche Ulmen— 
allee, stets von Nachtigallen begleitet, das reizende Frascati er⸗ 
reichten. 
Wer das Bild dieser gefegneten Bergnester in eigener Er⸗ 
innerung bewahrt, dem wird bei der bloßen Nennung ihrer Namen 
das Herzblut aufwallen. Wem dies Glück noch nicht zu Theil 
geworden, dem würde die liebevollste Schilderung kaum einen 
schwachen Begriff von ihrem Zauber zu geben vermögen. 
Endlich rissen wir uns los und fuhren am Sonntag mit 
drei Malern, darunter dem virtuosen Architekturmaler Werner, 
nach Rom zurück.
	        
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