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Jugenderinnerungen III. Bonner Studien

Full text: Jugenderinnerungen und Bekenntnisse / Heyse, Paul (Public Domain)

III. Bonner Studien. 
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Arbeit, wenn sie auch noch nicht für ein Meisterstück gelten 
konnte, hätte ich meine Lehrjahre ehrenvoll beschlossen. 
Minder freundlich urtheilten die Biedermänner im Tunnel, 
denen schon früher Manches in meinen Versem nicht sittsam ge— 
nug gewesen war. Und vollends die sogenannte gute Gesellschaft 
ließ es mich erfahren, daß sie es nicht verzeihen kann, wenn ein 
junger Poet es vorzieht, statt auf ihre landläufigen moralischen 
Vorschriften, auf sein eigenes Gewissen zu horchen. Die Mütter 
schüttelten in den Kaffeekränzchen ihre tugendhaften Häupter und 
beklagten meine Mutter um den verlorenen Sohn, der ohne 
Zeichen der Reue aus dem rheinischen Venusberge heimgekehrt 
sei. Auch würdige Männer, die im Stillen auf meiner Seite 
waren, hielten es für Pflicht, ihre sittliche Entrüstung auszu— 
sprechen. Der alte Tieck aber schickte dem unvorsichtigen Ver— 
leger durch seinen literarischen Famulus Köpke die Warnung, 
mit einem so zucht- und talentlosen jungen Manne sich fernerhin 
ja nicht einzulafsen. 
Ich hatte freilich versäumt, dem alten Herrn, dem ich nur 
eine historische Bedeutung zuerkannte, unterwürfig, wie er es 
verlangte, zu huldigen und Heerfolge zu geloben. 
Mich kümmerten all diese Dinge nicht, da ich mir in aller 
Bescheidenheit bewußt war, nur das Meinige gethan zu haben. 
Das alte, trauliche Verhältniß zu den Freunden, auch im 
Tunnel, war bald wieder hergestellt. Ich war klug geuug, meine 
neuen Anschauungen für mich zu behalten und ruhig auf meinem 
Wege fortzugehen. Nun galt es auch, die wissenschaftlichen 
Studien nachdrücklicher zu betreiben. Ich studierte die Proven— 
zalen privatissime bei Mahn, dem Einzigen, der in Berlin 
in ihrer Sprache und Literatur zu Hause war, daneben sogar 
ein wenig Baskisch, von dem auch er nur die Anfangsgründe 
fich zu eigen gemacht hatte. Auch hörte ich über spanisches 
Theater bei V. A. Huber, dessen geistvolle Vorträge mich mehr 
anregten als die fleißige, aber ziemlich kritiklose Geschichte
	        
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