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7) [Brief vom] 4. Merz 1828

Full text: Ludwig Börnes Berliner Briefe 1828 / Börne, Ludwig (Public Domain)

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über meine schönen Augen! Und von Wem? In Frank— 
furt haben die Leute keinen Geschmack. Nur Du hattest 
den Geschmack mich zu wählen, und Heil Dir darum! 
Dein guter, treuer, lieber, schöner, geistreicher 
Carl. 
5. März erhalten Nr. 9. 
Berlin. Freitag d. 7. Merz 1828. 
Freitag steht oben, aber erst heute Samstag 
konnte ich den Brief anfangen. Ach! was sind die be— 
rühmten Leute geplagt. Ich komme manchmal in Ver⸗ 
zweiflung. Habe ich ja einmal eine glückliche Stunde, wo 
keine Unruhe mich stört, zerstört die Zerstörung von 
Corinth, die bei mir wohnt, mir solch eine seltene glück— 
liche Stunde. So heißt ein Trauerspiel im Manuscript, 
das ein junger Dichter meinem Urtheile unterworfen. Der 
unheilbringende Jungling ist mir empfohlen worden und 
ich darf ihn nicht abweisen. Izt lauscht er nun angstvoll 
auf jedes meiner Worte, schwebt zwischen Tod und Leben, 
und jammert mich so sehr, als ich mir selbst jammere. 
Welche Freude hatte ich vorgestern Abend! da ich um 
7 Uhr als ich grade in den-Wagen steigen wollte, Deinen 
Brief bekam, den ich erst den andern Morgen erwartete. 
Aber ich bin nicht zufrieden mit Deinen Briefen. Nicht 
mehr als drei Seiten, und das Maas verfälschst Du wie 
ein Jude. Ausgestrichene Worte, Gedankenstriche, und alles 
wird benuzt einen ehrlichen Christen zu verkürzen. Aber 
nein, Deine Gedankenstriche sind schön, ich mußte darüber 
lachen. Also beständig bist Du? Du hast Dich noch gar 
nicht verändert? Und ich? O die Weiber! Sey nur ruhig. 
Ihr taugt alle nichts. Eine ist immer schlimmer als die 
Andere, und das ist Euer Glück. Wir werden endlich so 
Geiger, Ludwig Börnes Berliner Briefe. 
8)
	        
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