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Einleitung

Full text: Ludwig Börnes Berliner Briefe 1828 / Börne, Ludwig (Public Domain)

XILI — 
glieder zu dienenden Brüdern mache. Er spricht der neuen 
Gesellschaft das Recht ab, darüber zu urteilen, welche 
Schriften wirklich eine Stelle in der Geschichte der Wissen— 
schaften einnehmen. Er findet es empörend, daß nur solche 
Kritiken aufgenommen werden sollen, welche die Ge— 
nehmigung der betreffenden Klasse erhalten haben, und 
betrachtet es als einen Zwang ohnegleichen, obgleich er einen 
solchen Zwang stets freiwillig geübt habe, daß jeder 
Kritiker seine Anzeige mit seinem Namen zeichnen müsse. 
Endlich macht er sich lustig über die Ausdrücke, daß der 
Ton der Kritiken „gehalten“ und der „Würde der Wissen⸗ 
schaft entsprechend' sein solle. Die kleine Schrift ist ein 
witziges Pamphlet eines freien Schriftstellers, die an und 
für sich vernünftige Bedenken stark, wenn auch geistreich, 
übertreibt. Glücklicherweise hinderte sie nicht das Erscheinen 
des neuen Organs, das, wenn es auch keine neue Ära der 
Kritik schuf, doch belehrend und aufmunternd wirkte. 
Börne unternahm seine Reise nach Berlin weder aus 
dem politisch-geschichtlichen Bedürfnis, die Hauptstadt 
Preußens zu sehen, noch aus dem sentimentalen Gefühl 
heraus, nach Ablauf eines Vierteljahrhunderts die Stätte 
wieder zu betreten, wo er einst zitternd vor Leidenschaft 
gestanden hatte. Vielmehr war der Zweck seiner Reise 
teils der Wandertrieb, der ihn häufig im Frühjahr ergriff, 
teils der praktische Beweggrund, einen Verleger zu suchen. 
Er hatte zwar mit Cotta ganz angenehme Verbindungen, 
fand aber bei ihm keine Begeisterung, eine Sammlung 
seiner Schriften zu veranstalten. Im wesentlichen hatte er 
Campe in Hamburg im Auge, der schon Heines Verleger 
war und um den die jüngeren Dichter sich zu sammeln 
begannen. An einen bestimmten Berliner Verleger Hitzig 
dachte Börne nicht mit großem Ernst, teils, weil dieser
	        
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